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Gewalt gegen Blogger : Banges Warten auf den nächsten Mord

Für Gewaltexplosion fehlt ein Funken

Auf dem Weg zu diesem Ziel hält der junge Islamist sogar einen Bürgerkrieg für möglich. Tatsächlich ist zu befürchten, dass in diesem Konflikt in Zukunft noch mehr Blut fließen wird. Für eine Gewaltexplosion braucht es nach Einschätzung von Beobachtern nur noch einen kleinen Funken. Andere sehen die Gefahr darin, dass die Regierung sich auf eine Beschwichtigungspolitik mit den Islamisten einlassen und ihnen Zugeständnisse machen könnte. So hatte die Regierung auf die Bloggermorde anfänglich nicht reagiert. Ministerpräsidentin Sheikh Hasina kritisierte sogar, dass die später Ermordeten sich angeblich negativ über den Islam geäußert hätten. Für die Morde machte sie die Opposition verantwortlich.

Beschneidung der Pressefreiheit: Premierministerin Sheikh Hasina will darüber bestimmen, worüber berichtet wird.
Beschneidung der Pressefreiheit: Premierministerin Sheikh Hasina will darüber bestimmen, worüber berichtet wird. : Bild: dpa

Bangladeschs Journalisten drohen in dieser Gemengelage zwischen die Fronten zu geraten. Der Chefredakteur einer der bekanntesten englischsprachigen Zeitungen des Landes, der „Dhaka Tribune“, sagt, sie würden einerseits von den Islamisten bedroht und andererseits von der Regierung in die Mangel genommen. „Der Ableger Al Qaidas in Südasien hat uns sogar namentlich genannt. Das war uns eine Warnung. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden erhöht, wir haben nun dickere Wände und bewaffnete Wächter“, sagt Zafar Sobhan bei einem Gespräch in seinem Büro. Tatsächlich sitzt am Eingang zu den Redaktionsräumen, in denen der Journalist seine Gäste empfängt, ein Mann mit einem Gewehr. Mittlerweile habe sich die Zeitung entschieden, nicht mehr über religiöse Themen zu schreiben, sagt Zafar Sobhan. „Die Autoren sind zum Schweigen gebracht worden, sie sind eingeschüchtert. Und das aus gutem Grund, wenn man sieht, was mit den Bloggern und Aktivisten passiert ist. Es ist eine sehr gefährliche Zeit für uns alle.“

Doch gleichzeitig bestimme die Regierung zunehmend darüber, was berichtet werden dürfe und was nicht. Menschen, die auf Facebook die Regierung kritisiert haben, seien festgenommen worden. „Wenn die Ministerpräsidentin im Ausland weilt und einen wichtigen Termin hat, dann sollte man das besser auf der Seite eins vermelden“, sagt er. Der Journalist glaubt, dass dies die logische Folge der zunehmenden politischen Einheitsherrschaft in Bangladesch sei.

Kampf für die Ideale

Das könnte am Ende vielleicht sogar den Islamisten nutzen. Von einer möglichen Übernahme des Landes durch den „Islamischen Staat“ könne aber nicht die Rede sein. Zudem habe die Regierung seit der Attacke auf das Bäckerei-Café verstanden, dass sie mit Beschwichtigung nicht sehr weit gekommen sei. „Das Gute daran ist, dass wir erkannt haben, was auf dem Spiel steht“, sagt der Chefredakteur.

Seine Zeitung bemühe sich derweil darum, weiter so kritisch zu berichten, wie es eben ginge. Viele Blogger und Aktivisten, die einst Teil der Shahbag-Bewegung waren, haben das Schreiben aufgegeben, sind in den Untergrund gegangen oder haben das Land verlassen. Einige von ihnen leben nun auch in Deutschland. Der Blogger Arif Jebtik hat sich aber entschieden, in Bangladesch zu bleiben und weiter für seine Ideale zu kämpfen. „Was kann ich schon ausrichten, wenn ich im Ausland sitze?“, fragt er.

Nach dem Gespräch läuft Jebtik zurück in Richtung des Shahbag-Platzes. Der Protest ist mittlerweile vorbei, die Nacht bricht ein. Statt der Demonstranten ist der Platz nun wieder voller Autos, Busse und Rikschas. Noch einmal erinnert Asif Jebtik an die Lebensgefahr, in der er schwebt. „Schon wenn ich die Straße überquere, könnte es sein, dass jemand mich umbringt.“

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