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Afghanistan : Nach dem Rückzug

Deutschland muss als drittgrößter Truppensteller damit rechnen, noch viele Jahre mit mindestens tausend Soldaten in Afghanistan zu bleiben.

          Es wurde so lange um das Ende des Afghanistan-Einsatzes gerungen, dass ein klitzekleines Detail ganz in den Hintergrund geraten ist: Der Einsatz geht auch nach 2014 weiter, und das mit erheblichen Belastungen für Deutschland. Washington hat Berlin diese Woche gebeten, im Norden Afghanistans die Führung zu behalten. Das geschah nicht unerwartet. Die Bundeswehr bereitet sich schon seit langer Zeit darauf vor, den Standort Mazar-i-Sharif zu erhalten und den Flugplatz dort weiterzubetreiben. Neu war für Verteidigungsminister de Maizière aber die Erkenntnis, dass die Amerikaner nach 2014 nicht mehr die Hauptlast der Nato-Mission tragen wollen. Sie war sogar so neu, dass der Minister - für seinen korrekten Umgang mit Zahlen bekannt - ein paar Stunden lang Verwirrung stiftete mit falschen Angaben.

          Also, die Fakten: Die Nato will zwischen 8000 und 12.000 Mann am Hindukusch belassen, um die afghanischen Streitkräfte auszubilden und zu beraten. Davon werden die Vereinigten Staaten höchstens die Hälfte stellen, die Rede ist von etwa 5000 Mann. Ebenso viele wollen die Amerikaner unabhängig von der Nato in Afghanistan stationieren: um, in Absprache mit Kabul, Terroristen zu jagen. Deutschland muss als drittgrößter Truppensteller damit rechnen, noch viele Jahre mit mindestens tausend Mann im Land zu bleiben.

          Die Zahl der Ausbilder (und ihrer Beschützer) wird schon deshalb nicht viel geringer sein können, weil die Amerikaner neuerdings darauf dringen, die afghanischen Sicherheitskräfte bis 2018 in ihrer gegenwärtigen Stärke zu erhalten. Beim letzten Nato-Gipfeltreffen in Chicago war noch damit geplant worden, dass ein Drittel der Polizisten und Soldaten entlassen werden. Eine Wahnsinnsidee: Wo sollen 120.000 Mann, angeblich bestens ausgebildet, plötzlich unterkommen? Bei den Taliban? Die Nato muss diesen Fehler korrigieren, aber auch dafür bezahlen: Mehr afghanische Truppen kosten mehr Geld. Deutschland bleibt angesichts der absehbaren Kosten nur ein Trost: Fällt Afghanistan zurück in Bürgerkrieg und Chaos, ist Masar der beste Ort, um die Bundeswehr schnell in Sicherheit zu bringen.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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