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Afghanistan : Taliban-Angriffe überschatten Stichwahl

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Zum Schutz der Wahl in Afghanistan werden 400.000 Sicherheitskräfte eingesetzt. Denn die Furcht vor Terroranschlägen ist allgegenwärtig. Bei einem Anschlag starben dennoch fünf Kinder. Bild: AFP

In Afghanistan haben die Stichwahlen für das Präsidentenamt begonnen. Die Taliban töteten bei einem Raketenangriff in Khost fünf Kinder - und verübten zahlreiche weitere Anschläge.

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          Unter umfassenden Sicherheitsvorkehrungen wählen die Bürger in Afghanistan einen neuen Präsidenten. In der Stichwahl stehen sich der frühere Außenminister Abdullah und der ehemalige Finanzminister und Weltbank-Ökonom Ghani gegenüber. Nach ersten Berichten war die Wahlbeteiligung zunächst niedriger als beim ersten Wahlgang im April. Aus Angst vor Anschlägen blieben in der Hauptstadt Kabul viele Geschäfte geschlossen. Tausende Polizisten sind im Einsatz, um die Wahllokale zu sichern. Das Ergebnis soll erst Anfang Juli bekannt gegeben werden.

          Überschattet wird die Stichwahl von offenbar zahlreichen Anschlägen der Taliban. Bei einem Raketenangriff in der ostafghanischen Provinz Khost wurden fünf Kinder getötet. Fünf weitere Menschen seien verletzt worden, als eine Rakete der Taliban am Samstagmorgen in einem Wohnhaus eingeschlagen sei, sagte Khosts Vizegouverneur Abdul Wahed Pathan.

          Die Taliban teilten am Mittag mit, sie hätten seit Öffnung der Wahllokale 246 Ziele im Land angegriffen. Zuvor hatten sie Anschläge am Wahltag angekündigt und die Afghanen dazu aufgefordert, der Abstimmung fernzubleiben. Pathan sagte indes, bis auf den Raketenangriff verlaufe zumindest in Khost die Wahl normal. Allerdings seien in einigen Wahllokalen in Khost-Stadt und im Distrikt Tanai die Wahlzettel ausgegangen.

          Der Sprecher der Kabuler Polizei, Haschmat Staniksai, sagte, in der zur Festung ausgebauten Hauptstadt seien am Morgen zwei oder drei ferngezündete Sprengsätze detoniert. Es habe keine Opfer gegeben. Und auch aus den Provinzen Parwan und Ghasni berichteten Augenzeugen und Behörden von Raketenangriffen der Taliban.

          Rund zwölf Millionen Wahlberechtigte sind dazu aufgerufen, den Nachfolger von Präsident Hamid Karzai zu bestimmen. Ein vorläufiges Wahlergebnis soll am 2. Juli verkündet werden. Zum Schutz der Wahl sind nach offiziellen Angaben 400.000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

          Der Chef der Wahlkommission (IEC), Jusuf Nuristani, appellierte an seine Landsleute, „trotz der Herausforderungen bei der Sicherheit zu den Wahllokalen zu gehen und ihr Schicksal zu bestimmen“. Die Stichwahl soll den Weg für den ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte des Landes bereiten. Karzai durfte nach den Vorgaben der Verfassung kein drittes Mal kandidieren. Er regiert Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001.

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