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Afghanistan : Amerikaner bombardieren Krankenhaus trotz Warnungen

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Verletzte im Krankenhaus in Kundus Bild: dpa

Neunzehn Menschen sterben in einem Krankenhaus in Kundus. Versehentlich getroffen von amerikanischen Bomben im Kampf gegen die Taliban. Der amerikanische Verteidigungsminister spricht von einem „tragischen Vorfall“

          Die Vereinten Nationen haben den Bombenangriff auf ein Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF)  im nordafghanischen Kundus aufs Schärfste kritisiert. „Krankenhäuser, in denen sich Patienten und medizinisches Personal befinden, dürfen niemals zum Angriffsziel werden“, sagte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Nicholas Haysom, am Samstag. „Das internationale humanitäre Recht verbietet außerdem die Nutzung medizinischer Einrichtungen für Militärzwecke.“

          Der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter hat nach dem Bombenangriff  von einem „tragischen Vorfall“ gesprochen. Dieser werde jetzt untersucht, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten schriftlichen Mitteilung. „Während wir noch herauszufinden versuchen, was genau passiert ist, möchte ich allen Betroffenen sagen, dass ich ihnen meine Gedanken und Gebete widme.“

          Carter zufolge wurde in dem Gebiet in den vergangenen Tagen heftig gekämpft. Zum Zeitpunkt des Beschusses hätten Militärkräfte der Vereinigten Staaten und Taliban-Kämpfer in der Nähe operiert. „Eine volle Untersuchung des tragischen Vorfalls ist in Abstimmung mit der afghanischen Regierung im Gange“, erklärte der Pentagonchef weiter. „Zu diesem schwierigen Zeitpunkt werden wir weiterhin mit unseren afghanischen Partnern zusammenarbeiten, um zu versuchen, die andauernde Gewalt in und um Kundus zu beenden.“

          Standort des Krankenhauses war bekannt

          Bei dem Angriff auf das Krankenhaus handelte es sich vermutlich um einen fatalen Fehler der amerikanischen Luftwaffe in Afghanistan. Dabei wurden nach neuen Angaben mindestens 19 Menschen getötet. Weitere 37 Menschen seien zum Teil schwer verletzt, teilte MSF-Sprecherin Christiane Winje am Samstag in Berlin mit.

          Ärzte ohne Grenzen erklärte zudem, die GPS-Koordinaten des medizinischen Zentrums in Kundus seien „an alle beteiligten Konfliktparteien, Washington und Kabul eingeschlossen,“ weitergegeben worden. Dieses Vorgehen ist üblich, um zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser zu schützen. Zudem soll das Krankenhauspersonal in Kundus militärische Stellen in Kabul und Washington per Telefon davon informiert haben, dass die Klinik bombardiert werde. Dennoch hätten die Luftschläge auf das Hospital 30 Minuten angehalten.

          Die Präsidentin von “Ärzte ohne Grenzen“ Meinie Nicolai reagiert entrüstet: „Diese Attacke ist eine abscheuliche und schwere Verletzung internationalen humanitären Rechts“, sagte die MSF-Präsidentin nach einer Mitteilung. „Wir können es nicht hinnehmen, dass dieser schreckliche Verlust von Menschenleben einfach als „Kollateralschaden“ abgetan wird.“

          Die aufständischen Taliban hatten in dieser Woche die Kontrolle über die strategisch wichtige Provinzstadt übernommen. Seither versucht die afghanische Armee unterstützt durch die Nato und das amerikanische Militär, die Stadt zurückzugewinnen. Auch am Samstag wurde in den Straßen von Kundus gekämpft. Seit Mitte der Woche bombardieren Kampfflugzeuge Stellungen der Taliban in und um Kundus.

          Seit Beginn der Kämpfe zwischen den Taliban und der afghanischen Armee am Montag hat das Krankenhaus laut Ärzte ohne Grenze 394 Verwundete behandelt. Zur Zeit des Luftangriffes hätten sich 105 Patienten und 80 Mitarbeiter der Hilfsorganisation im Hospital befunden.

          Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1980 in Afghanistan. Hilfsorganisationen hatten bereits vor Tagen die katastrophale humanitäre Situation in der Stadt angeprangert, wo viele Menschen ohne Strom, Wasser und genügend Nahrung in ihren Häusern ausharrten, während sich afghanisches Militär und die Taliban schwere Kämpfe lieferten.

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