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Afghanische Luftwaffe : Der Vorzeigepilot des Geschwaders

  • -Aktualisiert am

Übungsflüge: Hubschrauber der afghanischen Luftwaffe starten am Kabuler Flughafen zu einem Trainingseinsatz Bild: AFP

Die Nato wollte bis Ende 2014 eine Luftwaffe für die Afghanen aufbauen. Zwar gibt es genügend einsatztauglichen Flugzeuge und Hubschrauber - gescheitert ist das Vorhaben trotzdem.

          6 Min.

          Major Farid war 22 Jahre alt, als die Taliban die Macht ergriffen. Er schlug sich auf die Seite der Nordallianz, die Todfeinde der Koranschüler aus dem Süden. Kommandeur der Widerständler war der ehemalige Mudschahedin-Führer Ahmed Shah Massud. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in Kabul 1992 hatte er einige Flugzeuge der von der Sowjetunion aufgebauten afghanischen Luftwaffe in seine Rückzugsgebiete geschafft. Major Farid lernte auf einem Transporthubschrauber das Fliegen.

          Fünfzehn Jahre später hat es sich Major Farid, Rufname „Sammy“, mit einer Tasse heißen Tees und Nüssen in einem Sessel bequem gemacht. Er trägt sandfarbene Fliegerkombi, sein Haar ist schwarz, die Augen sind dunkel. Ihm gegenüber sitzen ein Dutzend afghanische Kameraden in einer 20 Meter langen Sofareihe und murmeln beifällig, wenn Farid, der Vorzeigepilot des Geschwaders, von den alten Zeiten spricht.

          „Er hätte unser Land geeint“

          „Wissen Sie“, sagt er, „Massud war ein großartiger und respekteinflößender Mann. Wir haben ihn alle geliebt.“ Heftiges Nicken auf den Sofas. „Ich habe ihn oft zum Truppenbesuch an die Front geflogen“, fährt Farid fort, „und auch“, er blickt betrübt, „zur Behandlung nach Tadschikistan.“ Massud quälte ein heftiges Nierenleiden, das er im Nachbarland behandeln ließ. Major Farid blickt auf Massuds Foto auf seinem Schreibtisch: „Er hätte unser Land geeint.“

          Das werden viele Paschtunen anders sehen, für die der am 9. September 2001 ermordete Massud bis heute auch nur ein Kriegsherr wie viele andere war, der gnadenlos für die Interessen seiner Volksgruppe kämpfte. Major Farid hat jetzt aber keine Zeit, über den innerafghanischen Konflikt zu reden, der auch in der Armee nur mühsam unter der Decke gehalten werden kann. Er muss mit seinem Hubschrauber Soldaten und Nachschub zu einem Außenposten der afghanischen Armee im Osten fliegen.

          Gut gerüstet: Major Farid in Pilotenkluft
          Gut gerüstet: Major Farid in Pilotenkluft : Bild: Seliger

          Farid nimmt seinen Helm, „Made in USA“, unter den linken Arm und berichtet beim Verlassen des Büros, dass er vor fünf Jahren bei der Luftwaffe angeheuert habe, weil er wieder fliegen wollte. Er war noch jung, gerade 33 Jahre alt, körperlich fit und lernwillig. Das unterschied ihn von der Masse der übrigen afghanischen Piloten, die meisten älter als 40 Jahre und in den achtziger Jahren in der Sowjetunion ausgebildet.

          Ein Jahr lang büffelte Farid Englischvokabeln. Er bestand die Prüfung und kann seitdem Nutzerhandbücher und Dienstvorschriften lesen. Die Amerikaner schickten ihn in die Tschechische Republik, um seine Flugkenntnisse aufzufrischen, anschließend auf einen Trainingskurs für Elitepiloten nach Alabama. Er maß sich erfolgreich mit Amerikas besten Hubschrauberführern. Jetzt gilt er in seinem Geschwader als Held.

          Held im eigenen Geschwader

          Auf dem Weg vom Staffelgebäude zu seinem Hubschrauber zieht sich Farid eine schwarze Rettungsweste über, in der eine Signalpistole, ein Verbandspäckchen und ein Notfunksender stecken. Bei dem bevorstehenden Flug, sagt er, handele es sich um reine Routine, nichts Großes. „Mit der Gefahr eines Abschusses oder einer Notlandung muss man hier leben“, sagt er lapidar, passiert den Kontrollposten am Eingang zum Rollfeld und bahnt sich seinen Weg zwischen Transporthubschraubern.

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