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Abfuhr von China : Amerikas Flugzeugträger in Hongkong unerwünscht

  • -Aktualisiert am

Im Einsatz in Asien: Flugzeugträger USS Stennis Bild: AP

Eigentlich sind solche Hafenbesuche Routine, doch nun muss Amerikas Marine einen Bogen um Hongkong machen. Hintergrund ist ein seit Jahren schwelender strategischer Konflikt mit China.

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          China hat einer amerikanischen Gruppe amerikanischer Kriegsschiffe die Erlaubnis verweigert, den Hafen von Hongkong anzulaufen. Das Außenministerium in Peking habe einen entsprechenden Antrag für den Flugzeugträger USS Stennis und dessen Begleitschiffe abgelehnt, teilte das Pentagon am Freitag mit. Ein Grund sei nicht genannt worden.

          Zuletzt habe China amerikanischen Schiffen im August 2014 verweigert, in Hongkong Station zu machen. Die Tradition amerikanischer Hafenbesuche wolle man fortführen. Das Pentagon verwies darauf, dass derzeit die USS Blue Ridge, das Flaggschiff des Kommandeurs der Siebten Amerikanischen Flotte, in Hongkong vor Anker liegt.

          Der in Hongkong erscheinenden Zeitung „South China Morning Post“ teilte Chinas Außenministerium mit, solche Entscheidungen treffe man von Fall zu Fall, unter Berücksichtigung der Prinzipien der Souveränität und anderer Umstände.

          Hintergrund ist das Südchinesische Meer

          Offenbar ist die Weigerung ein Resultat der aktuellen Kontroversen um das Südchinesische Meer. Amerikas Militär führt in der Region seit Monaten demonstrative Durchfahrten und Überflüge durch, um deutlich zu machen, dass Chinas territoriale Ansprüche dort aus Sicht Washingtons unbegründet sind. Verteidigungsminister Ashton Carter persönlich besuchte mehrfach Schiffe in der Region, zuletzt die USS Stennis.

          Der Flugzeugträger sei daher ein Symbol für die Spannungen zwischen den beiden Ländern sagte Shi Yinhong, Außenpolitikexperte an Pekings Renmin-Universität, der Nachrichtenagentur Reuters. „Ohne einen sicherheitspolitischen Hintergrund würden solche routinemäßigen Hafenbesuche nicht abgesagt werden.“

          Chinas Inselbau sorgt für Spannungen

          China erhebt Anspruch auf fast die gesamten strategisch bedeutenden Gewässer zwischen seiner Südküste, Vietnam, den Philippinen und Borneo. Seit einigen Jahren baut Peking mit gewaltigem Aufwand winzige Felsen zu künstlichen Inseln aus, die auch Platz für militärische Installationen bieten. China betont, das alles diene zivilen Zwecken, und andere Länder hätten sich herauszuhalten.

          Aus amerikanischer Sicht handelt es sich beim dem Südchinesischen Meer um ein internationales Gewässer, auf dem die Seewege frei gehalten werden müssen. Im Zuge einer 2011 von der damaligen Außenministerin Hillary Clinton verkündeten strategischen Neuausrichtung in den Pazifikraum nimmt Washington Asien politisch, wirtschaftlich und militärisch seit Jahren stärker ins Visier. Dabei kommt es immer wieder zu Spannungen mit China, das seine regionale Vorherrschaft ausbauen will.

          „Ein Beweis, dass die Volksrepublik China kein Partner ist“, twitterte der texanische Senator Ted Cruz, der für die Republikaner Präsidentschaftskandidat werden will, zu der Entscheidung. „Wir sollten den Flugzeugträger stattdessen nach Taiwan schicken.“

          Seit Amerika 1979 die diplomatischen Beziehungen mit Taipeh zugunsten Pekings abbrach, sind keine amerikanischen Truppen mehr in Taiwan stationiert. Auch ein offizieller Militärbesuch wäre aus Sicht Chinas eine offene Provokation.

          Andere Länder der Region besorgt wegen China

          Außer China beanspruchen auch Vietnam, die Philippinen, Malaysia, Taiwan und Brunei Teile des Meeres sowie Inseln für sich. Sie alle betrachten misstrauisch, wie China den Status Quo in der Region zu seinen Gunsten verändert. Ein stärkeres Engagement der Amerikaner begrüßen sie offen oder hinter vorgehaltener Hand, berichten Diplomaten.

          Mit Spannung wird derzeit der Ausgang einer Klage der Philippinen erwartet. Das Land hatte sich an den nach der UN-Seerechtskonvention zuständigen Schiedshof in Den Haag gewandt und gegen chinesische Aktionen protestiert. China kündigte bereits an, das demnächst anstehende Urteil nicht zu akzeptieren.

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