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Aschura-Fest : Sie geben ihr Blut

Bild: F.A.Z, Christoph Ehrhardt

An Aschura gedenken die Schiiten des getöteten Prophetenenkels Hussein. Was im Jahr 680 geschah, hat für sie gerade jetzt, in Zeiten wachsender Spannungen mit Israel, große Bedeutung.

          4 Min.

          Einigen der Schwarzgewandeten treten Tränen in die Augen. Massige, bärtige Gestalten schluchzen, senken die Köpfe, vergraben ihre Gesichter in den Händen. Auch der hagere Mann, der von einer Hebebühne wie von einer Kanzel zu der Menschenmenge spricht, wimmert. Er erzählt mit tränenerstickter Stimme vom grausamen Tod, den Imam Hussein sterben musste. Wie dieser von einem Schwerthieb am Kopf getroffen und sein Körper von einer Lanze durchbohrt wurde. Dann setzt sich der Trauerzug in Bewegung. Die Marschierenden schwenken riesige Fahnen, tragen Stirnbänder, stimmen getragene Gesänge an, schlagen sich im Takt mit der Rechten auf die Brust. „Labbaika ya Hussein! – dir zu Diensten, o Hussein“, skandiert die Menge mit zum Himmel gereckter Faust.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Man könnte fast meinen, die Männer würden einem Märtyrer aus dem Hier und Jetzt ewige Gefolgschaft schwören. Doch die Dahiyeh, die schiitischen „Vorstädte“ im Süden Beiruts, stehen an diesem Morgen im Bann einer Schlacht, die vor weit mehr als 1300 Jahren geschlagen wurde: Kerbela. Dort hatte Hussein, der Enkel des Propheten Mohammed und der Sohn des Kalifen Ali, eine kleine Schar in den sicheren Tod geführt. Die Kämpfer der „Partei Alis“ (Schiat Ali) standen im Jahr 680 einer Übermacht unter dem Kommando des umajjadischen Kalifen Jazid gegenüber. Mit dem grausamen Ende des Prophetenenkels war nicht nur der Machtkampf um die Nachfolge entschieden – die Spaltung der Gemeinschaft der Muslime war besiegelt.

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