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Katholischer Männer-Orden : Jesuiten haben einen neuen Chef

  • -Aktualisiert am

Arturo Sosa Abascal ist der neue Generalobere der Jesuiten. Bild: dpa

Der Venezolaner Arturo Sosa Abascal wird der 31. Generalobere der „Gesellschaft Jesu“. Damit ist er der erste Nachfolger des Ordensgründers, der nicht aus Europa stammt.

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          Der 1948 in Caracas geborene Venezolaner Arturo Sosa Abascal ist der neue Generalobere des Jesuitenordens, der mit 16.740 Mitgliedern größten männlichen Ordensgemeinschaft in der katholischen Kirche. Mit absoluter Mehrheit wurde er am Freitagmittag vom Generalkapitel mit seinen gut 200 Mitgliedern als der erste nichteuropäische Nachfolger des spanischen Ordensgründers Ignatius von Loyola gewählt. Der neue „praepositus generalis“ ist Philosoph und Politologe; er war zeitweilig Chef der Ordensprovinz seiner Heimat. Sosa Abascal gilt als fähiger Organisator, spricht Spanisch, Italienisch und Englisch und arbeitet lange Jahre für den Orden in Rom und sei darüber zum Europäer geworden.

          Ungeduldig hatten einige Dutzend Mitglieder der „Gesellschaft Jesu“ vor der verschlossenen Tür zum großen Saal der Generalkurie unweit vom Vatikan ausgeharrt, als drinnen abgestimmt wurde. Sie wollten als erste dem „Neuen“ gratulieren. Dabei wagte niemand der Harrenden eine Vorhersage. Immerhin meinte Ordensmitglied Bernd Hagenkord, Leiter der deutschen Redaktion beim Radio Vatikan, auch wenn die Mehrheit im Generalskapitel von der Südhalbkugel stamme und die Inder mit 22 der 77 Regionalchefs die größte Gruppe darstellten, müsse es nicht unbedingt zur Wahl eines Nichteuropäers zum 31. Generaloberen und Nachfolger für den mit 80 Jahren zurückgetretenen Adolfo Nicolás kommen. „Wichtig ist, dass der Chef der Jesuiten nicht nur in einem Kontinent zu Hause ist sondern kultur- und sprachübergreifend denken kann.“ Er müsse gut organisieren, integrieren und ein „starkes spirituelles Profil“ haben, sagte Hagenkord.

          Der 1936 geborene Spanier Nicolás verbrachte die meiste Zeit seines Arbeitslebens in Ostasien, zwischen Manila, Tokio und Südkorea. Dessen Vorgänger, der Niederländer Peter Hans Kolvenbach lebt seit seinem Rückzug vom aktiven Berufsleben 2008 wieder in Beirut, war er doch lange Jahre Provinzial im Nahen Osten. Kolvenbach war übrigens der erste „praepositus generalis“, der aus Altersgründen zurücktreten durfte. Damit genehmigte Benedikt XVI., was sein Vorgänger Johannes Paul II. noch untersagt hatte. Schon damals hieß es, dies könne zum Vorbild für Benedikts eigenen Rücktritt werden, den der Papst dann 2013 auch vollzog.

          Gehorsam gegenüber dem Papst

          Vor dem Saal wuchs die Spannung. Nach der traditionellen Wahlordnung für den Chef gibt es keine Kandidaturen oder Aussprachen im Plenum. In den vier letzten Tagen fanden vielmehr „murmurationes“ (Murmeleien) in Zweiergesprächen statt. Und dann geht es gemeinhin ganz schnell; denn zur Wahl genügt die absolute Mehrheit. Der Papst wird vor der Bekanntgabe des neuen Namens telefonisch informiert. Der ungeschriebenen Regel nach muss er die Wahl nicht einmal bestätigen. Früher hatte Franziskus als Jesuit selber an den Generalkongregationen teilgenommen. Jetzt hält er sich abseits. Aber in Rom heißt es, Franziskus habe beste Beziehungen zu vielen Ordensmitgliedern, die zum Teil zum engsten Beraterkreis gehörten. Jeder Jesuit legt bei seinem Gelübde das Versprechen des Gehorsams gegenüber dem Papst ab. Der neue Ordensobere wird mithin auch Franziskus dienen.

          Während sich der 1534 vom Spanier Ignatius von Loyola zunächst vor allem gegen die Reformation wandte und dann mit Schwerpunkt China und Südamerika Mission betrieb, mehrfach auch von europäischen Herrschern wegen ihrer Macht verfolgt und verboten, sind die Jesuiten heute vor allem ein Bildungsorden. Nicht nur ist Roms Gregoriana die wichtigste päpstliche Universität. Weltweit unterhalten die Jesuiten Schulen. „Wir waren darum auch besonders vom Missbrauchsskandal betroffen“, sagt Hagenkord, „haben aber auch besonders stark dessen Aufarbeitung betrieben“. Seit 30 Jahren liegt ein Schwerpunkt der Jesuiten im Flüchtlingsdienst. Der „Jesuit Refugee Service“, der im Vietnamkrieg geboren wurde, ist heute im Nahen Osten besonders aktiv. Zum neuen Chef heißt es, „in einer Welt, in der auch der Orden immer vielfältiger wird, ist unser neuer Chef ein weiser Mann der Integration.“ Überdies sei auch Sosa Abascal ein Vertrauter des Papstes.

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