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Krieg im Südkaukasus : Armenien wirft Aserbaidschan Erschießung von Kriegsgefangenen vor

Die Gräber von gefallenen armenischen Soldaten auf dem Militärfriedhof von Eriwan Bild: dpa

Videos aus den sozialen Netzwerken zeigen eine entstellte Leiche und die Erschießung mehrerer Soldaten. Baku weist die Vorwürfe zurück – und freut sich, mehr Gas in die EU verkaufen zu können.

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          Armenien wirft Aserbaidschan „fürchterliche Kriegsverbrechen“ vor. In einer Erklärung des Außenministeriums in Eriwan vom Sonntag heißt es weiter, aserbaidschanische Nutzer sozialer Medien veröffentlichten regelmäßig Videos, welche die außergerichtliche Tötung armenischer Kriegsgefangener, Folter und Leichenschändung zeigten.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Auf zwei solche Clips verlinkte das Ministerium. Einer zeigt unter anderem eine grausig entstellte Frauenleiche, ein anderer die Erschießung mehrerer Männer mit Sturmgewehren aus kurzer Distanz. Mit Blick auf diesen Clip schrieb Ministerpräsident Nikol Paschinjan auf Facebook, das Video zeige, wie aserbaidschanische Soldaten eine Gruppe armenischer Kriegsgefangener auf dem Gebiet der Republik Armenien erschössen. „Die internationale Gemeinschaft muss dieses Kriegsverbrechen entschieden verurteilen und Maßnahmen ergreifen, um die aserbaidschanische Aggression zu stoppen“, forderte er.

          Die armenische Menschenrechtsbeauftragte Kristina Grigorjan teilte mit, man habe das Video, das sich am Sonntagmorgen in den sozialen Medien Aserbaidschans verbreitet habe, überprüft. Es sei am 13. September während des aserbaidschanischen Angriffs auf Armenien entstanden. In dieser Offensive, die Baku als Antwort auf armenische „Provokationen“ darstellt, sind nach jüngsten Angaben 207 Armenier getötet worden oder verschollen, unter ihnen fünf Zivilisten. 293 weitere Soldaten wurden nach armenischen Angaben verwundet und rund 20 in Gefangenschaft genommen. Aserbaidschan berichtete, rund 80 seiner Soldaten seien gefallen.

          Aus Baku hieß es, die armenische Erklärung zu Kriegsverbrechen sei irreführend. Aserbaidschans Militärstaatsanwaltschaft habe ein Verfahren zur „vollständigen und allseitigen“ Prüfung von in sozialen Medien verbreiteten Soldatenvideos eingeleitet, zudem habe Armenien im Karabach-Krieg Anfang der Neunzigerjahre sowie in der jüngsten großen Eskalation vor zwei Jahren viele Verbrechen begangen.

          Einnahmen investiert Baku in die Armee

          Der EU-Sonderbeauftragte für den Südkaukasus, Toivo Klaar, twitterte, wenn sich das „schreckliche Video“ als echt herausstelle, handele es sich um ein Kriegsverbrechen und die Täter müssten bestraft werden. Später twitterte Klaar dann, ihm seien Videos zugeschickt worden, die offenbar Kriegsverbrechen gegen Aserbaidschaner zeigten; auch diese müssten untersucht und die Täter bestraft werden.

          Derweil trafen sich die Außenminister der beiden Länder am Sonntag in Genf. Baku hob danach hervor, man wolle die Sitzung einer Arbeitsgruppe zur Grenzdemarkation von November auf diesen Monat vorziehen und sei weiter bereit, einen Friedensvertrag abzuschließen.

          In Eriwan hieß es nach dem Genfer Treffen, man habe unter anderem über die Rechte der Karabach-Armenier gesprochen und gefordert, dass aserbaidschanische Truppen von armenischem Gebiet abziehen und alle Armenier aus Kriegsgefangenschaft freikommen sollten. Paschinjan hatte am vergangenen Freitag geäußert, Armenien müsse berücksichtigen, dass „weder Moskau, noch Brüssel, noch Washington bereit sind, die Unabhängigkeit von Nagornyj Karabach anzuerkennen“.

          Aus Sicht Bakus dürfte bedeutender sein, dass am vergangenen Samstag eine Gasverbindung zwischen griechischen und bulgarischen Pipelinenetzen in Betrieb ging. So soll mehr aserbaidschanisches Gas in die EU fließen können und russisches Gas ersetzen. An der Eröffnungsfeier in der bulgarischen Hauptstadt Sofia nahmen unter anderen der aserbaidschanische Machthaber Ilham Alijew und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teil. Mit Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf modernisiert Baku sein Militär, das dem armenischen überlegen ist.

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