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Arktis : Die Außenminister, die in die Kälte kommen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Dänemark hat zu einer Konferenz über die Nutzung der in der Arktis vermuteten Bodenschätze geladen. Es will einen „wilden Wettlauf zum Nordpol“ verhindern. Russland, Kanada und Dänemark erheben Anspruch auf das Gebiet vor der Küste.

          Während des Kalten Krieges war die Arktis für die Großmächte aus strategischen Gründen interessant: Die Route über den Nordpol war der kürzeste Weg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - die gegebene Strecke für Fernbomber und später Interkontinentalraketen. Der Westen hatte dabei gewisse Vorteile, weil die Nato Grönland als Teil Dänemarks nutzen konnte. Dort wurde in Thule eine gigantische Radar-Anlage errichtet, dort stürzte auch einmal ein mit Nuklearwaffen ausgerüstetes Flugzeug ab - und die Trümmer durften von Eskimos eingesammelt werden, denen die Regierungen der Vereinigten Staaten und Dänemarks versicherten, alles sei ganz harmlos. Die Bevölkerung Grönlands wurde nie gefragt, alles wurde damals in Kopenhagen entschieden. Später wurden die riesigen arktischen Eisflächen für strategische U-Boote interessant, die hier, unter dem Eis verborgen, sich der Küste des hypothetischen Gegners nähern konnten. Eigentlich verhinderte nur die extrem unwirtliche Natur, dass hier mehr Militärstützpunkte errichtet wurden: Es blieb bei „Forschungsstationen“.

          Heute sind es vor allem wirtschaftliche Motive, die die Gefahr eines neuen Wettlaufs der Mächte in der Arktis mit sich bringen. Unter dem Meeresboden der Arktis werden riesige Öl- und Gasvorkommen vermutet, die Begehrlichkeiten wecken, die weit größer sind als all jene, die früher zu Streit über Anteile am Kontinentalsockel und Fischereirechte geführt hatten. Durch den Klimawandel und das Schmelzen der Eiskappe sowie die hohen Ölpreise scheint eine Ausbeutung der arktischen Rohstoffvorkommen wirtschaftlich machbar, die bisher zu kostspielig gewesen wäre. In Grönland, das schon weitgehend autonom ist, gibt es daher jetzt Bestrebungen nach völliger Unabhängigkeit von Dänemark. Und dann geht es noch um die Kontrolle der vielleicht in einigen Jahrzehnten eisfreien Polroute für die Schifffahrt.

          Ein „bedeutungsloser Gag für die Medien“

          Im vergangenen August ließ Russland, das seit 2001 die Arktis für sich beansprucht, durch ein U-Boote seine Nationalflagge vier Kilometer unter dem Eis des Nordpols auf den Meeresgrund setzen, um seine Ansprüche zu dokumentieren. Der kanadische Außenminister Peter MacKay bezeichnete diese Aktion als Rückfall in das 15. Jahrhundert: „Man kann heute nicht einfach um die Welt reisen, eine Flagge hissen und sagen: ,Wir erheben Anspruch auf dieses Gebiet.'“ Die Arktis sei „kanadisches Eigentum“. Die dänische Regierung, die ebenfalls Anspruch auf das Gebiet erhebt, nannte die Aktion einen „bedeutungslosen Gag für die Medien“, und die Vereinigten Staaten ließen verlauten, das Hissen einer Flagge auf dem Meeresgrund sei „rechtlich ohne Bedeutung“. Kanada schickte danach aber trotz dänischer Proteste Militär auf die unmittelbar an Grönland grenzende eisige „Hans-Insel“, auch um die Nordwestpassage für sich zu reklamieren, und zeigt mit neuen arktischen Stützpunkten und Spezialschiffen demonstrative Militärpräsenz in der Arktis - so wie wenigstens in den Sommermonaten auch Dänemark.

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