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Ariel Scharon : Ein pragmatischer Bulldozer

  • -Aktualisiert am

Ariel Scharon Bild: dpa/dpaweb

Begonnen hat er als unnachgiebiger General in den Kriegen Israels und als kompromißloser Siedlervater. Erst mit dem Abzug aus dem Gazastreifen wandelte sich Ariel Scharon zum Mann der Mitte. Seine neue Partei hat beste Chancen, doch überraschend wurde die Krankheit sein größter Gegner.

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          Als Ariel Scharon am 6. Februar 2001 mit einer überwältigenden Mehrheit den bisherigen Amtsinhaber Ehud Barak besiegte und wenig später sein Amt als elfter israelischer Ministerpräsident antrat, rechneten viele israelische und ausländische Beobachter mit dem Schlimmsten. Galt Scharon doch als „Hardliner“, als unnachgiebiger Rechtspolitiker und kompromißloser Gegner eines Palästinenserstaates.

          Seit 1977 der Likud-Block unter Menachim Begin erstmals Regierungsverantwortung übernahm, hatte Scharon fast ununterbrochen Ministerämter bekleidet. Eines seiner Hauptanliegen war dabei immer die jüdische Besiedlung der 1967 eroberten Gebiete. „Schnappt euch jeden Hügel“ forderte er die Siedler noch 1998 auf.

          Einsatz exzessiver Gewalt

          Scharon war ein entschiedener Gegner der Osloer Verträge deren Urheber Rabin und Peres er als „Kriminelle“ bezeichnete, er hielt das von Netanjahu unterzeichnete Wye-Abkommen über einen Truppenrückzug aus Teilen des Westjordanlandes für ein „Nationales Desaster“ und leistete mit seinem Besuch auf dem Tempelberg seinen Beitrag zum Ausbruch der zweiten Intifada im Herbst 2000.

          Ariel Scharon Bilderstrecke

          Scharon schien nicht der Mann zu sein, der dem Friedensprozeß nach dem gescheiterten Gipfeltreffen von Camp David im Sommer 2000 neues Leben einhauchen würde. Und tatsächlich wurde er seinem schlechten Ruf als kompromißloser Führer, der auch vor dem Einsatz exzessiver Gewalt nicht zurückschreckt, nach der Wahl zunächst gerecht.

          „Operation Schutzwall“

          Palästinensischen Terroranschlägen begegnete Scharon mit Gegengewalt und drakonischen Vergeltungsaktionen, die oft scharfe internationale Proteste nach sich zogen. Er ordnete rechtlich umstrittene außergerichtliche Tötungen von ranghohen Mitgliedern terroristischer Organisationen an und ließ im Mai 2001 mehrere Kampfflugzeuge einen Angriff auf Polizeigebäude im Westjordanland fliegen. Bemühungen der Vereinigten Staaten um einen ein Ende der Gewalt scheiterten nicht zuletzt an Scharons Forderung, erst nach einem vollständigen Ende der Terroranschläge zur Aufnahme von Gesprächen mit den Palästinensern bereit zu sein.

          Als Scharon im Herbst 2001 erstmals verlauten ließ, einen künftigen Palästinenserstaat akzeptieren zu wollen, sahen viele das noch als taktisches Manöver, unvereinbar mit dem täglich zu beobachtenden Taten des Regierungschefs. Nachdem ein Selbstmordattentäter Netanja während des Pessachfestes 2002 27 Israelis tötete, gab Scharon den Befehl zur „Operation Schutzwall“. Ramallah, Nablus und Tulkarm wurden wiederbesetzt, bei heftigen Kämpfen in Dschenin kamen 50 Palästinenser ums Leben und das Stadtzentrum wurde vollkommen verwüstet. Im Juni war das gesamte Westjordanland wieder von israelischen Truppen besetzt, an der diplomatischen Front herrschte Funkstille.

          Der Drei-Phasen-Plan

          Seinem damaligen Außenminister Schimon Peres, untersagte Scharon mehrmals Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Arafat. Statt dessen ließ Scharon Arafat unter Hausarrest stellen und dessen Hauptquartier in Ramallah belagern - immer mit einer möglichen Ausweisung drohend. Auch auf die sogenannte „Road Map“, die das sogenannte Nahost-Quartett im September 2002 präsentierte, reagierte Scharon mit vorsichtiger Ablehnung.

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