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Argentinien : Vorwahlen desaströs, Sparkurs adieu - und jetzt geht noch der Finanzminister

Das Schicksal Argentiniens liegt nicht mehr nur allein in seinen Händen: Präsident Mauricio Macri Bild: EPA

Das deutliche Resultat der Vorwahlen hat Argentinien in wirtschaftliche Turbulenzen gebracht. Präsident Mauricio Macri hat den Sparkurs verlassen. Nun ist sein Finanzminister zurückgetreten. Das Schicksal des Landes ist jedoch nicht allein in Macris Hand.

          Nicolás Dujovne überredete den Internationalen Währungsfonds (IWF), Argentinien einen Rekordkredit von 57 Milliarden Dollar zu gewähren. Als Finanzminister Argentiniens war er auch dafür zuständig, die strengen Auflagen des IWF umzusetzen und ein rigoroses Sparprogramm durchzusetzen. Nun ist Dujovne zurückgetreten. Die Regierung brauche eine „erhebliche Erneuerung im Wirtschaftsbereich“, begründete er den Rücktritt. Dujovne hatte wohl eingesehen, dass die Wirtschaftspolitik Argentiniens in den kommenden Monaten nur noch wenig mit dem zu tun haben wird, wofür er stand. Das Amt des Finanzministers wird nun Hernán Lacunza antreten, der bislang Wirtschaftsminister der Provinz Buenos Aires war. „Ich habe Vertrauen, dass er die geeignete Person für diese neue Etappe ist“, schrieb Macri auf Twitter.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Der Rücktritt von Dujovne bildete den Abschluss einer überaus turbulenten Woche. Am vergangenen Sonntag waren die Dinge ins Rutschen geraten: Die Finanzmärkte brachen ein, weil sich mehr als 47 Prozent der Wähler bei den obligatorischen Vorwahlen für Alberto Fernández entschieden hatten, den peronistischen Herausforderer Macris. Die Wirtschaft hatte mit einem knapperen Resultat gerechnet, das Macris Chancen auf eine Wiederwahl aufrechterhalten hätte. Doch dessen Bündnis kam nur auf etwas mehr als 32 Prozent. Bliebe es bei diesem Ergebnis, würde Fernández gleich im ersten Wahlgang gewählt. Die Vorwahlen sind zwar nur eine Formalität, um das Kandidatenfeld für die Wahlen im Oktober zu verkleinern, geben jedoch Aufschluss über die zu erwartende Stimmenverteilung.

          Das Ergebnis versetzte die Finanzmärkte in Panik. Investoren fürchten, dass mit Fernández die populistische und überregulierte Politik aus der Kirchner-Ära zurückkehren könnte. Denn Fernández’ Kandidatin für die Vizepräsidentschaft ist keine Geringere als die frühere Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner. Fernández selbst gilt zwar als gemäßigt und beteuerte nach der Vorwahl, dass er nicht vorhabe, zum „alten Regime“ zurückzukehren. Doch jeder weiß um den Einfluss Kirchners in diesem Bündnis. Die Finanzmärkte fürchten allerdings nicht allein die Abwahl Macris, sondern auch die Wirren, die Argentinien in den kommenden Monaten durchlaufen könnte. Der Peso und argentinische Wertpapiere brachen zum Wochenbeginn massiv ein, obwohl die Zentralbank gegensteuerte. Nun ist bereits von einem drohenden Staatsbankrott die Rede. Wieder einmal.

          Der Absturz des Pesos, der von Montag bis Mittwoch rund 25 Prozent und seit Januar sechzig Prozent an Wert verloren hat, treibt die ohnehin schon hohe Inflation weiter an. Das wirkt sich unmittelbar auf die Preise im Land aus und betrifft vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten Argentiniens. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Gütern ist betroffen, da viele Produzenten und Zulieferer nun mit der Belieferung von Großverteilern und Supermärkten abwarten, bis neue Preise festgelegt werden. Für Agrarproduzenten wird der Export interessanter als der Binnenmarkt, was die Preise zusätzlich in die Höhe treibt. Um die Auswirkungen des Absturzes abzufedern, hat Macri eine Reihe von Maßnahmen erlassen und angekündigt, die den Konsum im Land stützen und die sozialen Kosten der jüngsten Krise begrenzen sollen.

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