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Argentinien : So lebt es sich mit einer Inflation von bald 100 Prozent

Spüren die Preissteigerungen als erstes: Händler auf dem Mercado Central in Buenos Aires, einem der größten Märkte Lateinamerikas. Bild: Reuters

Wie es sich lebt, wenn sich die Preise mal eben verdoppeln, zeigt sich auf dem Mercado Central in Buenos Aires. Die Armut wächst – und mit ihr die Distanz der Bevölkerung zur Politik.

          7 Min.

          Gabriel Galdeano ist seit Mitternacht auf den Beinen. Hinter ihm türmen sich Kisten mit vollroten Tomaten und Peperoni, daneben stehen pralle Mandarinen. Der Gemüsehändler sitzt an einem Tischchen und stellt Quittungen aus. Er ist besorgt, lange schon. Die Preise für Lebensmittel haben sich in Argentinien in den vergangenen Monaten massiv erhöht. Die Kosten für Energie, Transport und Verpackungsmaterial steigen und steigen. „Wir spüren das sofort“, sagt Galdeano und zieht als Beispiel die Zitronen heran, deren Preis sich in zwei Monaten verdoppelt hat. 90 Prozent dürfte die Teuerung in Argentinien in diesem Jahr erreichen, einige Ökonomen gehen gar von einer dreistelligen Rate aus – ungleich mehr also als in den meisten anderen Ländern der Welt, in denen die Inflation ebenfalls die Schlagzeilen bestimmt. Viele Argentinier konsumierten weniger, sagt Galdeano. „Wir arbeiten heute mit minimalen Margen.“

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          So wie Galdeano geht es den meisten Händlern auf dem Mercado Central in Buenos Aires, einem der größten Großmärkte Lateinamerikas. Von hier aus wird der Großraum der argentinischen Hauptstadt mit seinen 15 Millionen Einwohnern mit Früchten und Gemüse versorgt. Über hunderttausend Tonnen werden jeden Monat umgesetzt. Noch in der Dunkelheit hat sich vor dem riesigen Gelände in der Vorstadt La Matanza eine Lastwagenkolonne gebildet, die sich den Weg zu den 18 riesigen Pavillons bahnt, wo Hunderte Großhändler warten. Die Arbeiter laufen mit Gabelstaplern, Kistenhebern und Schubkarren umher. Kisten werden abgeladen und verschwinden in den geöffneten Toren der Verkaufshallen. Atemdampf und Zigarettenrauch steigen in der kalten Morgenluft empor.

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