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Argentiniens neuer Präsident : Der Vertrauensvorschuss ist schon fast aufgebraucht

Der Schwung läßt nach: Argentiniens neuer Präsident Mauricio Macri. Bild: dpa

Seine Vorgängerin hinterließ ihm einen Berg an Problemen – doch Mauricio Macri machte seinem Volk große Versprechungen. Aus der Krise hat Argentiniens neuer Präsident sein Volk aber noch lange nicht geführt.

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          Noch haben erstaunlich viele Argentinier Geduld mit Präsident Mauricio Macri. In den meisten Umfragen äußern noch immer mehr als die Hälfte der Befragten Zustimmung zu ihrem konservativen Staatschef, der vor einem Jahr sein Amt angetreten hat. Dabei hat sich die von Macri für dieses Jahr angekündigte Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse keineswegs eingestellt: Argentinien steckt weiter in der Rezession.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          So schrumpft die Wirtschaftsleistung des Landes 2016 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent, die Inflation liegt zwischen 40 und 45 Prozent. Daher sinkt das Realeinkommen der meisten Argentinier weiter, und der Trend von 2015, von dem letzten Regierungsjahr der linken Amtsvorgängerin Cristina Fernández de Kirchner, setzt sich fort.

          In diesem Jahr ist der Anteil der Armen an der Bevölkerung weiter von 29 auf gut 32 Prozent gestiegen. Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 24 Jahren erhöhte sich die Quote der Arbeitslosen von 19 Prozent auf 24,6 Prozent. Ein Lichtblick war jedoch, dass im dritten Quartal die allgemeine Arbeitslosenquote auf 8,5 Prozent zurückging. Im zweiten Quartal 2016 waren noch 9,3 Prozent Arbeitslose registriert worden.

          Macri räumte dieser Tage ein, dass die wirtschaftliche Entwicklung schlecht ist und gab zu, dass die von ihm geweckten Erwartungen unrealistisch waren. Lapidar bemerkte er indes, er könne eben nicht zaubern – obwohl er selbst sich in der Euphorie des Wahlsieges vom November 2015 annähernd magische Kräfte zugeschrieben hatte.

          Ersehnte Investitionen bisher ausgeblieben

          Tatsächlich sind Macri und seine Regierungsmannschaft in den ersten Monaten von Erfolg zu Erfolg geeilt. Schon Ende Februar wurde der Streit über Altschulden des Landes bei widerspenstigen Schuldnern im Ausland, den Macris Amtsvorgängerin Kirchner immer wieder mit Fleiß angeheizt hatte, beigelegt.

          Das Land gewann wieder Zugang zu den internationalen Finanzmärkten und beschaffte sich frisches Geld zu günstigen Konditionen. Beschränkungen der Ein- und Ausfuhr wurden abgeschafft, ebenso Kirchners strenge Devisenkontrollen. „Argentinien ist in die Welt zurückgekehrt“, jubelte die Regierung in Buenos Aires.

          Und die Welt kam nach Buenos Aires: Staats- und Regierungschefs aus europäischen Staaten gaben sich die Klinke in die Hand, auch aus Kanada und Japan kamen die Ministerpräsidenten, aus Washington sogar Präsident Barack Obama. Zu einer großen Investorenkonferenz im September fanden sich Vertreter von hunderten internationaler Unternehmen ein und verbreiteten Zuversicht. Die ersehnten Investitionen lassen bisher aber auf sich warten.

          Auch die Binnennachfrage der Konsumenten zieht nicht an, obwohl die Geldentwertung zuletzt nachgelassen hat. Bis zu 80 Prozent trägt der Konsum zur Wirtschaftsleistung bei, und der ist weiter viel zu schwach. Nun werde 2017 endlich das Ende der Rezession kommen, verspricht die Regierung. Die meisten Ökonomen rechnen für das kommende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent.

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