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Argentinien : Gemeinsame Albträume

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Sollte sich erweisen, dass Hebe de Bonafini von den Unregelmäßigkeiten gewusst oder sie gar gedeckt hat, wäre dies ein unermesslicher Schaden für die „Mütter“ und andere argentinische Menschenrechtsvereinigungen. Allerdings gibt es nicht nur eine Organisation der „Madres“: Schon 1986 hat sich eine sogenannte „Gründungslinie“ abgespalten, die das autoritäre Gehabe der Vorsitzenden Hebe de Bonafini und die von ihr betriebene Politisierung der Organisation nicht länger mitmachen wollte. Außerdem existiert eine eigene Gruppierung der „Großmütter“, jener Frauen, die ihre in der Diktatur von ihren verschwundenen Töchtern geborenen, an Militär- und Polizeifamilien zur Adoption übergebenen Enkel suchen. Beide Vereinigungen, die „Gründungslinie“ und die „Großmütter“, die nichts mit dem Wohnungsbauprogramm zu tun haben, fürchten nun, in den Skandal hineingezogen zu werden. Sprecherinnen beider Organisationen haben gleichfalls die Vermutung geäußert, dass Hebe de Bonafini von den Umtrieben Schoklenders Wind bekommen haben muss.

Hebe de Bonafini hat aus ihrer radikal linksgerichteten Haltung, die sich vor allem in einer schwärmerischen Begeisterung für die kubanische Revolution äußert, nie einen Hehl gemacht und ihre Landsleute immer wieder mit wunderlichen Äußerungen vor den Kopf gestoßen. So verherrlichte sie die Guerrilla-Organisation „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) und bezeichnete den früheren kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe als „Scheiße und großen Hurensohn“. Mit unverhohlener Schadenfreude gestand sie, bei dem Attentat am 11. September 2001 auf das World-Trade-Center in New York Genugtuung empfunden zu haben. „Ich will nicht heuchlerisch sein, das hat mir überhaupt nicht wehgetan“, sagte sie damals.

Das Verhältnis hat eine unergründlich dunkle Seite

Das Verhältnis zwischen Hebe de Bonafini und den beiden Schoklender-Brüdern hat eine humane und eine unergründlich dunkle Seite. Die beiden hat Hebe de Bonafini kennengelernt, als sie als Mörder ihrer Eltern im Gefängnis saßen. Das im Mai 1981 von den damals etwas über 20 Jahre alten Geschwistern begangene Verbrechen hatte großes Aufsehen erregt. Nach Rekonstruktionen des Tathergangs haben die Brüder im Streit zunächst ihre Mutter, eine Alkoholikerin, die ihre Kinder missbrauchte, mit einer Eisenstange erschlagen und danach den Vater auf gleiche Weise umgebracht. Die Leichname der Eltern waren im Kofferraum eines mitten in Buenos Aires abgestellten Fahrzeugs aufgefunden worden.

Hebe de Bonafini hat insbesondere Sergio Schoklender unter ihre Fittiche genommen und ihn auch nach der Entlassung aus dem Gefängnis wie ein Familienmitglied behandelt. Dies erklärt, weshalb sie ihm so großes Vertrauen entgegenbrachte. Sergio und später auch Pablo begannen, bei den „Müttern“ verschiedene Tätigkeiten zu verrichten. Die von Hebe de Bonafini angeführte „Mütter“-Gruppierung, an deren wohlmeinenden Absichten kaum jemand in Argentinien zweifelt, muss auf jeden Fall mit dem Verdacht leben, allzu vertrauensselig gewesen zu sein und angesichts der zuletzt kaum mehr zu übersehenden Manöver der Schoklender-Brüder zumindest weggeschaut zu haben.

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