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Argentinien : Feiern mit Kirchners

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So harmonisch wie hier - das Präsidentenehepaar Cristina und Nestor Kirchner sitzt zwischen anderen südamerikanischen Präsidenten - verliefen nicht alle Feierlichkeiten Bild: dpa

Argentinien feiert in diesen Tagen das 200. Jubiläum der Mairevolution, mit der das Land von der spanischen Krone unabhängig wurde. Aber die Bitte der Kirche, den Parteienzank ein paar Tage zurückzustellen, stoßen bei dem Präsidentenehepaar Kirchner auf taube Ohren.

          Eigentlich hatte Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner der drohenden Strafpredigt des Kardinals von Buenos Aires, Jorge Bergoglio, entgehen wollen. Deshalb zog sie es vor, zusammen mit ihrem Ehemann Néstor, der Bergoglio mehr fürchtet als der Teufel das Weihwasser, der traditionellen gottesdienstlichen Feier des „Te Deum“ am Nationalfeiertag zum Gedenken an die Mairevolution von 1810 nicht in der Kathedrale von Buenos Aires, sondern in dem 75 Kilometer entfernten Wallfahrtsort Luján beizuwohnen.

          Doch dann musste sich das Präsidentenpaar dort genau das anhören, was es nicht hören wollte: Der Erzbischof von Luján forderte die argentinischen Politiker – und damit zuallererst die Kirchners – dazu auf, „den Konsens zu stärken“ sowie den „Parteienzank und die persönlichen Interessen zurückzustellen“. Und er plädierte für eine „größere Unabhängigkeit der staatlichen Gewalten“.

          Die Präsidentin war sichtlich inkommodiert. Denn hatte sie nicht am Abend zuvor genau das Gegenteil von dem getan, wozu der Erzbischof sie aufgefordert hatte? Sie war der langersehnten Wiedereröffnung des Teatro Colón, des während dreieinhalb Jahren sanierten Opernhauses in Buenos Aires, ferngeblieben wegen eines kleinlichen Zanks mit dem Bürgermeister der Hauptstadt. „Genießen Sie den Abend in Ruhe und ohne lästige Anwesende“, hatte sie an Mauricio Macri, den Hausherrn der städtischen Bühne, geschrieben und pikiert hinzugeführt, sie fühle sich verpflichtet, „jede Art von Demütigung“ des Stadtoberhaupts zu vermeiden.

          Mit den „lästigen“ Gästen des Spektakels hatte sie nicht nur sich selbst, sondern vor allem ihren Ehemann Néstor gemeint, der angeblich von dem Bürgermeister mit einem „Sturzbach von Beleidigungen“ bedacht worden sei. Macri hatte zuvor allerdings den Präsidentengatten verdächtigt, gegen ihn einen Prozess wegen eines Abhörskandals angezettelt zu haben, und Journalisten gegenüber bekannt, dass er sich deshalb nur schwer vorstellen könne, neben Néstor Kirchner in der Ehrenloge zu sitzen.

          Auf einem Nebenschauplatz war es dem Vernehmen nach auch noch zu einem Streit gekommen, weil die Kirchner-Regierung von den 2700 Ehrenkarten 1000 haben wollte, damit im Saal Parität zwischen den Gästen beider Regierungen herrsche. Die Stadt gestand den Kirchners vorgeblich jedoch nur 200 zu. Bei der Eröffnung der Oper waren schließlich die von der Stadt Geladenen, vorwiegend Oppositionspolitiker, Industrielle, Diplomaten und Showstars, unter sich.

          Cristina Kirchner eröffnete unterdessen trotzig ein noch sehr unfertiges „Kulturzentrum“ im ehemaligen Postgebäude von Buenos Aires und musste sich ausgerechnet während der Feiertage immer wieder von ihren politischen Gegnern vorhalten lassen, dass es mit ihrem demokratischen Verständnis nicht weit her sei, wenn sie Richtern vorhalte, sie begingen „Machtmissbrauch“ und seien „gemietet“ oder wenn sie bekunde, Gerichtsurteile nicht befolgen zu wollen, wenn sie ihr nicht ins Konzept passten.

          Cristina Kirchners Vorgänger durften am feierlichen Abendessen nicht teilnehmen

          Am letzten Tag der Zweihundertjahrfeierlichkeiten war Cristina Kirchner wieder ganz Staatschefin. Sie nahm Huldigungen ihrer Amtskollegen Lula, Lugo, Morales, Mujica, Correa und Chávez aus Brasilien, Paraguay, Uruguay, Ecuador und Venezuela und sogar des konservativen Piñera aus Chile entgegen. Unvermittelt bat Cristina Kirchner in der ausgelassenen Karnevalsstimmung am Abend des Nationalfeiertags, als zwei Millionen Zuschauer in Buenos Aires dem Spektakel eines Umzuges beiwohnten, ihre Landsleute, die politischen Querelen beiseite zu lassen und gemeinsam am Aufbau des Staates mitzuwirken.

          Der Bürgermeister von Buenos Aires, Mauricio Macri, durfte erstaunlicherweise an dem feierlichen Abendessen im Regierungspalast teilnehmen. Cristina Kirchners Vorgänger Menem, De la Rúa und Duhalde, vor allem jedoch ihr Vizepräsident Julio Cobos mussten draußen bleiben, weil sie unerwünscht waren.

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