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Argentinien : Das Familienunternehmen der Frau Kirchner

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Es heißt, Guillermo Moreno sei eine Erfindung des Präsidentengatten Néstor Kirchner. Nach fast drei Jahren, die Cristina nun schon im Amt ist, ist immer noch nicht klar, wer von beiden wirklich regiert. Unter den Kirchners ist die argentinische Regierung ein Familienbetrieb geworden, in dem es außer Moreno noch ein paar ähnliche Haudegen gibt, wie etwa den gleichfalls schnauzbärtigen und ebenso wenig um deftige Bemerkungen verlegenen Kabinettschef Aníbal Fernández. Oder den für gesetzestechnische Fragen zuständigen Sekretär Carlos Zannini, der so gut wie nie in der Öffentlichkeit auftaucht, der aber für die Kirchners von allergrößter Bedeutung ist: Er bereitet die Gesetzesvorlagen vor und erkundet die Schlupflöcher und Kniffe, wie sich etwa Dekrete ohne lästige Debatten im Parlament in Gesetze verwandeln lassen.

Die neue „Evita“

Zum inneren Kreis des Familienunternehmens Kirchner hat außer den wenigen treuen Vasallen so gut wie niemand Zugang. Die Firma scheint zu prosperieren. Das ist schon an der jüngsten eidesstattlichen Erklärung des Präsidentenpaares abzulesen, die einen Zuwachs des gemeinsamen Vermögens von 11,6 auf 14 Millionen Dollar im vergangenen Jahr ausweist. Wie das zustande kam, darüber schweigen sich beide aus. Im Sparstrumpf gesammeltes Geld aus den Gehältern der beiden dürfte kaum ausreichen, die Zunahme zu erklären. Der schon in frühen gemeinsamen Jahren aufgebaute und systematisch ausgeweitete Immobilienbesitz, Spekulation mit Grundstücken und andere Finanzgeschäfte kommen wohl eher als Grund für die Besitzstandsmehrung der Kirchners in Frage.

In Argentinien ist das kein Vergehen. Und Cristina Kirchner macht kein Hehl aus ihrem Wohlstand. Allein die Anschaffung und Unterhaltung ihrer Garderobe dürfte Unsummen verschlingen. Sie tritt bei jedem Anlass neu und fast immer originell gewandet auf. Der indiskreten Frage des amerikanischen Filmemachers Oliver Stone, wie viele Schuhe sie besitze, wich sie kapriziös aus. Wenn sie in Armenvierteln über die Armut spricht, die zu bekämpfen sie sich vorgenommen habe, wirkt das auf die Zuhörer immer ein wenig so, als predige sie Wasser und trinke Wein. Doch richtig übelgenommen wird ihr das kokette Verhalten nicht. Gerade die einfachen Leute sind stolz auf eine derart fesche Dame ganz oben an der Staatsspitze. War nicht auch Eva Perón eine elegante Frau? Cristina Kirchner hat von ihr eine Menge gelernt, ihre Gesten gleichen jenen von „Evita“ immer mehr.

Auch wenn Cristina Kirchner das Ausland darüber belehrt, wie Krisen zu überwinden sind, kommt das gut an. Kürzlich hat sie bei einer Veranstaltung in der Provinz Buenos Aires den europäischen Rettungsplan für Griechenland kritisiert und die internationalen Kredit-Organisationen wie den IWF mit ihren „ewigen Anpassungsrezepten“ beschuldigt, „nicht zu sehen, was in der Welt und in den Gesellschaften geschieht“. Man brauche sich ja nur daran zu erinnern, was in Argentinien 2001 passiert sei. „Lassen wir das Klein-klein beiseite und bauen weiter das Modell eines anderen Landes auf“, sagte sie aufmunternd zu ihren Landsleuten. Wie dieses „andere Land“ aussehen soll, ist allerdings auch nach sieben Jahren Kirchnerscher Herrschaft nicht klar geworden. Vermutlich ist ein stärkeres soziales Engagement ihrer Regierung gemeint. Doch auch die Kirchners halten an den überkommenen Rezepten des Klientelismus und Assistentialismus fest. Wer aller sozialen Wohltaten teilhaftig werden will, muss sich als treuer „Kirchnerista“ erweisen.

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