https://www.faz.net/-gpf-13g7v

„Arctic Sea“ : Kontaktsperre, Fehlinformation und offene Fragen

  • Aktualisiert am

Nach drei Wochen vor den Kapverden wieder aufgetaucht: Der Frachter Arctic Sea Bild: AP

Auch nach der Befreiung der Seeleute und der Verhaftung der Piraten durch die russische Marine sind die Hintergründe der Entführung der „Arctic Sea“ weiter unklar. Offenbar hat es keine Lösegeldforderung gegeben.

          2 Min.

          Bei der Befreiung des wochenlang verschollenen Frachters „Arctic Sea“ haben russische Sicherheitskräfte acht Piraten festgenommen. Die mutmaßlichen Schiffsentführer stammten aus Russland, Estland und Lettland, sagte der russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow nach Angaben der Agentur Itar-Tass am Dienstag. Die russische Marine hatte das Schiff mit den 15 russischen Seeleuten an Bord am Montag in der Nähe des westafrikanischen Inselstaats Kap Verde befreit.

          Angehörige der geretteten Seeleute und die russische Seefahrergewerkschaft beklagten am Dienstag, dass der russische Geheimdienst weiter den persönlichen Kontakt verhindere. „Ich weiß bisher nur aus den Nachrichten von der Befreiung“, sagte Jelena Sarezkaja, die Ehefrau des „Arctic Sea“-Kapitäns Sergej Sarezki. Über den Verbleib der Männer war zunächst nichts bekannt. Die Gewerkschaft forderte, die Seeleute umgehend nach Hause zu fliegen. Die finnische Polizei konnte die Festnahme der Piraten am Dienstag nicht bestätigen.

          Piraten näherten sich unter Vorwand

          Die internationale Zusammenarbeit in dem mysteriösen Fall sei zwar bis zum Auffinden des angeblich mit Holz beladenen Schiffs „sehr gut“ gewesen, sagte ein finnischer Polizeisprecher in Helsinki. Doch funktioniere die Kooperation nicht „Minute für Minute“. An der Befragung der Seeleute sei die finnische Polizei ebenfalls nicht beteiligt gewesen.

          Die verdächtigten Piraten hatten die „Arctic Sea“ laut Serdjukow bereits am 24. Juli vor der schwedischen Küste in der Ostsee in ihre Gewalt gebracht. Nach seiner Darstellung hatten sich zwei Russen, zwei Letten und vier Esten der „Arctic Sea“ in einem Schlauchboot genähert und unter dem Vorwand, in Seenot zu sein, die Besatzung um Hilfe gebeten. Das berichtete Serdjukow dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew unter Berufung auf Ermittler.

          Was das Ziel des Überfalls war, blieb aber auch am Dienstag unklar. Medien hatten von Lösegeldforderungen berichtet und davon, dass die Piraten sich als Drogenfahnder ausgegeben hätten, um auf das Schiff zu gelangen. Bislang war die Rede davon, dass die Seeräuber die „Arctic Sea“ nach zwölf Stunden ohne Beute wieder verlassen hätten. In dem mysteriösen Fall sind weiter Fragen offen.

          Russlands Nato-Botschafter Dmitri Rogosin hatte eingeräumt, dass absichtlich falsche Informationen verbreitet worden seien, um die Ermittlungen und die Rettung der Crew nicht zu gefährden. Die finnische Reederei Solchart Management dementierte erneut Lösegeldforderungen der Piraten. Der Direktor des Unternehmens Viktor Matwejew sagte, dass kein Geld gefordert oder bezahlt worden sei. Der Frachter sei jetzt beschädigt und müsse aufwendig aus afrikanischen Gewässern geborgen werden.

          Das Schiff war demnach bereits seit Ende Juli in der Gewalt der Entführer. Nach dem Überfall seien alle Navigationsgeräte und die Bordtechnik abgestellt worden, sagte Serdjukow. Er erklärte damit den fehlenden Funkkontakt und das wochenlange Rätselraten um den Verbleib des Schiffs. Die russische Staatsanwaltschaft teilte mit, dass den Piraten im Fall einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren drohe.

          Weitere Themen

          Ausgangssperre in Washington verhängt

          Proteste vor Weißem Haus : Ausgangssperre in Washington verhängt

          Die Anti-Rassismus-Proteste in den Vereinigten Staaten gingen auch diese Nacht weiter, in fast 40 amerikanischen Städten gilt eine Ausgangssperre. Während Präsident Trump zu härterem Durchgreifen auffordert, will sein demokratischer Herausforderer Biden zuhören.

          Topmeldungen

          Noch ist der Rote Platz in Moskau menschenleer, doch ab Juni will die russische Regierung die Corona-Restriktionen lockern.

          Trotz hoher Corona-Zahlen : Russland beginnt mit größeren Lockerungen

          Seit mehr als zwei Monaten gibt es in Moskau – Europas größter Stadt – strenge Ausgangssperren. Obwohl die Corona-Zahlen weiter viel stärker steigen als etwa in Deutschland, dürfen die Menschen zumindest zeitweise auf die Straße gehen, Läden sollen öffnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.