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Apple Daily gibt auf : Hongkongs Peking-kritische Stimme verstummt

Ausgaben der Zeitung Apple Daily mit ihrem Grüner Jimmy Lai auf dem Cover im August 2020 Bild: AP

Apple Daily wollte dem Druck unbedingt „standhalten“. Nun ist er aber doch zu groß geworden. Die Hongkonger Zeitung erscheint an diesem Donnerstag zum letzten Mal – kurz vor der 100-Jahr-Feier der Kommunistischen Partei in China.

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          Seit Tagen haben sich die Redakteure von Apple Daily auf diesen Moment vorbereitet. Sie haben Notizblöcke und vertrauliche Dokumente geschreddert und letzte Artikel recherchiert, die ihnen besonders dringlich erschienen. Dann haben sie ihren eigenen Nachruf verfasst. „Wir haben versucht, die letzte Gelegenheit zu nutzen, die wir noch haben“, sagte ein Redakteur der Zeitung. Denn an diesem Donnerstag erscheint die letzte Ausgabe von Apple Daily. Damit verstummt die lauteste Peking-kritische Stimme in der Hongkonger Medienlandschaft.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Die Geschäftsführung verkündete das Ende am Mittwoch mit dem schlichten Verweis auf „die aktuellen Bedingungen, die in Hongkong herrschen“. Als vergangene Woche der Chefredakteur, der Verlagsleiter und drei weitere Mitarbeiter festgenommen wurden, hatte sich das Medienunternehmen zunächst noch kämpferisch gezeigt. Doch das Einfrieren seiner Konten machte es unmöglich, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Es wurden nicht nur 18 Millionen Hongkong-Dollar (etwa zwei Millionen Euro) beschlagnahmt. Zeitungshändlern wurde auch verboten, Geld auf die Konten von Apple Daily zu überweisen, um die Ware zu bezahlen. Gehaltszahlungen wurden damit ebenso unmöglich wie das Begleichen der Stromrechnung.

          Ein Mitarbeiter in der Druckerei der Zeitung Apple Daily in Hongkong im Juni 2021
          Ein Mitarbeiter in der Druckerei der Zeitung Apple Daily in Hongkong im Juni 2021 : Bild: EPA

          Der China-Kritiker Jimmy Lai hat die Zeitung vor 26 Jahren mit der Ansage gegründet: „Egal, wie stark der Druck wird, solange Leser unseren Journalismus und unsere Haltung unterstützen, werden wie standhalten“. Das war zwei Jahre vor der Rückgabe der britischen Kronkolonie an China.

          Das Geld für sein Medienunternehmen hatte Lai in der Textilbranche verdient. Die schrille Boulevardzeitung mit ihrer Mischung aus Sex and Crime, politischen Enthüllungen und ungeschminkten Kommentaren kam beim Leser gut an und gehörte bis zuletzt zu den auflagenstärksten Zeitungen der Stadt. Finanziell hatte Apple Daily allerdings schon lange zu kämpfen. Die Regierung weigerte sich, Anzeigen zu schalten, und Peking übte Druck auf Unternehmen aus, dies ebenfalls nicht zu tun.

          Während der Protestbewegung von 2019 stellte sich Apple Daily auf die Seite der Aktivisten und druckte Poster, die Demonstranten auf Kundgebungen in die Höhe halten sollten. Um international auf die politische Lage in Hongkong aufmerksam zu machen, startete Apple Daily im vergangenen Jahr noch eine englischsprachige Online-Ausgabe. Diese stellte ihre Arbeit bereits am Dienstag ein. Am Mittwoch um Mitternacht wollte sich auch das chinesischsprachige Team verabschieden.

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          In den vergangenen Tagen war die Zeitung in Hongkong noch einmal besonders gefragt. Als Zeichen der Solidarität kauften viele ganze Stapel und verteilten sie auf der Straße. Statt wie üblich 80.000 Exemplare, druckte der Verlag 500.000. „Wir können erhobenen Hauptes abtreten“, sagt ein Apple-Daily-Redakteur im Gespräch mit der F.A.Z., der zu seinem Schutz anonym bleiben will. Er glaubt, dass die meisten seiner Kollegen den Journalismus verlassen werden. In vielen Redaktionen in Hongkong sei Selbstzensur inzwischen Alltag. Für Leute, die bei Apple Daily gearbeitet haben, sei das ein zu großer Schritt. Manche dürften mit dem Gedanken spielen, die Stadt ganz zu verlassen. „Das hat im Moment jeder im Kopf“, sagt der Redakteur.

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