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Ein Appell zum Aktivwerden : Die Schlacht um Europa tobt

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Lasst uns zum Beispiel einen europäischen Feiertag einführen, an dem alle Europäerinnen und Europäer zusammen feiern und an dem natürlich ganz Europa gleichzeitig frei hat.

Wir brauchen eine Verteidigungsstrategie

Drittens: Wir müssen die Schlacht um Europa endlich strategisch und klug angehen. Wir brauchen eine Taktik, die dieses Europa vor ihren inneren und äußeren Feinden schützt. Was würde der Stratege Churchill machen, was Willi Brandt, was Helmut Kohl? Wir brauchen eine Verteidigungsstrategie für das Europa des 21. Jahrhunderts, die im Kern auch kulturell und kommunikativ ist. Dazu gehört, dass wir uns grenzüberschreitend mehr füreinander interessieren und endlich in eine europäische Öffentlichkeit investieren, die Menschen verbindet und nationale Filterblasen aufbricht. Wo sind Europe Today oder Facebook Europe? Wir sollten im ganz großen Stil in europäische Medien investieren. Es ist Zeit für eine Art europäische ARD, eine europäische „Le Monde“ und ein europäisches Facebook. Wir haben vor fast 50 Jahren mit Airbus gezeigt, wie man Utopien mit Industriepolitik umsetzt. Let's do it again! Eine funktionierende europäische Öffentlichkeit, eine echte europäische Zivilgesellschaft ist für die Zukunft Europas heute mindestens so wichtig wie europäische Flieger damals, wahrscheinlich noch viel wichtiger.

Viertens: Menschen mobilisieren. Wir müssen lernen, uns für die Schlacht um Europa zu rüsten, Menschen und Ressourcen zu mobilisieren, gerade wenn die Schlacht abstrakt, virtuell und mitunter kaum merklich stattfindet.  Früher hieß das: Truppen sammeln und ausbilden, Geld sammeln und Waffen kaufen, strategische Positionen wie Radiostationen, Postämter, Bahnhöfe besetzen. Und heute? Gefahren erkennen, Gegner offen benennen, Linien ziehen, Koalitionen bilden, strategische Positionen wie soziale Netzwerke besetzen. Uns trauen, klar zu sagen: Ja, es geht um ganz viel: Dein Leben, Dein Hab und Gut, die Zukunft Deiner Kinder. Es braucht jetzt mehr als bunte Werbekampagnen für Europa. Wir müssen die Truppen zusammenziehen. Hierfür müssen wir alle Entscheidungen treffen: Bleiben wir träge, verlieren wir.

Wir müssen aus unserer Komfortzone raus. Die Angreifer sind schnell, gut vernetzt, zielstrebig und brutal. Was bist Du bereit zu opfern? Deinen Platz auf dem Sofa, Geld, Zeit, Deinen Job oder noch mehr? Jetzt ist die Zeit Dich zu fragen, was Du für Europa tun kannst und nicht nur, was Europa für Dich tun kann. Und genau jetzt sollten wir einen europäischen Dienst, einen European Service, schaffen, der Europäer unabhängig von Nationalität, sozialen Status und Bildungsabschluss verbindet und an konkreten Projekten für ein besseres Europa arbeiten lässt. Können wir uns in diesen Zeiten eigentlich leisten, solch einen European Service nicht zu haben?

Keine sinnlosen Siegerposen

Und schließlich, was passiert nach der Schlacht? Was werden wir tun, wenn wir die Schlacht um Europa gewonnen haben? Wenn die inneren und äußeren Feinde Europas aufgegeben haben. Was werden wir aus der Schlacht gelernt haben und wie werden wir Europa so stabil machen, damit es nicht wieder so eine leichte Beute erscheint? Wir werden keine Zeit mit sinnlosen Siegerposen vergeuden. Wir werden nicht vom Ende der Geschichte fabulieren, so wie 1989. Es wird viel zu tun geben. Europa braucht Reformen, die den Menschen und die Ressourcen unserer Erde in den Mittelpunkt stellen. Ja, Reformen für ein besseres Europa sind dringend notwendig. Aber erst müssen wir die Schlacht um Europa gewinnen. Sonst bleibt am Ende nichts übrig, was zu reformieren wäre.

Andre Wilkens ist Buchautor und Mitbegründer der Initiative Offene Gesellschaft. Daniel Röder ist Rechtsanwalt und Gründer der Bewegung Pulse of Europe.

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