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Appell der Schönheitskönigin : „Betet für Myanmar“

Die Kandidatin aus Myanmar, Thuzar Wint Lwin, beim Wettbewerb zur Wahl der Miss Universe in Hollywood am 13. Mai 2021 Bild: AFP

In Myanmar reißt der Widerstand gegen das Militär nicht ab. Während im Nordwesten des Landes eine Guerillatruppe gegen die Junta kämpft, appelliert in Florida eine Schönheitskönigin an die internationale Gemeinschaft.

          3 Min.

          Gewonnen hat den Wettbewerb zur Wahl der Miss Universe eine Schönheit aus Mexiko, Andrea Meza. Das Rampenlicht gehörte an diesem Tag jedoch besonders der Kandidatin aus Myanmar, dem südostasiatischen Land, das seit dem Militärputsch am 1. Februar zunehmend im Chaos versinkt.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Thuzar Wint Lwin nutzte ihren Auftritt für einen Appell an die internationale Gemeinschaft. „Unsere Leute sterben und werden jeden Tag vom Militär erschossen“, sagte die 22 Jahre alte Frau in einer Videobotschaft an den Wettbewerb. Sie bitte alle darum, sich für ihr Land einzusetzen. Auch ihren Live-Auftritt auf der Bühne des Seminole Hard Rock Hotel & Casino in der Stadt Hollywood in Florida nutzte sie am Sonntagabend, um ihre Botschaft zu verbreiten. Aufnahmen von dem Wettbewerb zeigen, wie die Frau auf der Bühne ein Schild mit der Aufschrift „Betet für Myanmar“ ausrollt und in die Höhe hält.

          Bei ihrem Auftritt trug Thuzar Wint Lwin die Tracht der Chin, einer mehrheitlich christlichen ethnischen Minderheit in Myanmar. Damit schaffte sie es zwar nicht in die Endrunde des Wettbewerbs. Dafür bekam sie aber den Preis für das beste Landeskostüm. In ihrem Heimat-Bundesstaat Chin im Nordwesten des Landes war es in den vergangenen Tagen zu schweren Kämpfen zwischen dem Militär und einer Miliz aus Widerstandskämpfern gekommen. Die Mindat People’s Defence Force (auch: „Chinland Defence Force“) hat nach Angaben myanmarischer Medien im Verlauf mehrtägiger Gefechte in der Stadt Mindat mehrere Kämpfer verloren. Die Zahl der Todesopfer reicht von fünf bis sieben Toten. Auch auf Seiten des Militärs soll es eine unbekannte Zahl von Toten gegeben haben. Einigen Berichten zufolge soll das Militär sogar Gefangene als „menschliche Schutzschilde“ vor sich hergetrieben haben.

          Widerstandskämpfer mit Schrotflinten

          Schon im April hatte sich in der Stadt Mindat eine Miliz Kämpfe mit dem Militär geliefert. Offenbar wollte die Miliz in Abstimmung mit der gegen die Junta gerichteten Gegenregierung, die untergetauchte Abgeordnete seit dem Putsch gegründet haben, in dem Ort eine eigene Verwaltung aufbauen. Das Militär hatte daraufhin in der Stadt am Freitag das Kriegsrecht verhängt. Damit kann es unter anderem nun Menschen willkürlich vor ein Militärgericht stellen.

          Am Samstag hatte das Militär Hubschrauber und Truppennachschub geschickt und schließlich die Kontrolle über die Stadt übernommen. Nachdem das Militär die Stadt eingenommen hatte, hatten Soldaten die Häuser von Anwohnern durchsucht. Den Berichten zufolge kam es zu mehr als einem Dutzend Verhaftungen. Tausende Menschen sollen vor den Kämpfen geflohen sein. Viele sollen sich aber noch in der Stadt mit 20.000 Einwohnern befinden, darunter vor allem Frauen und Kinder.

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