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Apec-Gipfel : Obama schmeichelt den Chinesen

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Handreichung: Der amerikanische Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Xi Jinping während des APEC (Asia Pacific Economic Cooperation) Forum Bild: Reuters

Wer hat das Sagen in der Welt? Auf dem Asien-Pazifik-Treffen geht es aller Erfahrung nach auch um diese Frage. Präsident Barack Obama jedoch bestreitet nun, dass Amerika den chinesischen Einfluss in der Region klein halten wolle. Das Gegenteil sei richtig.

          Amerika will China nach den Worten von Präsident Barack Obama nicht am Machtausbau hindern. „Ich weise die Vorstellung zurück, dass die Vereinigten Staaten auf irgendeine Weise versuchen, China einzudämmen“, sagte Obama in einem schriftlichen Interview der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, das am Dienstag in Peking veröffentlicht wurde. Sein Land habe stattdessen in den vergangenen Jahrzehnten aktiv dafür daran mitgewirkt, China in die Weltwirtschaft zu integrieren. „Wir wollen, dass China und das chinesische Volk erfolgreich sind.“

          Bei seinen bilateralen Gesprächen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping am Dienstagabend und Mittwoch werde es um eine erweiterte Kooperation beider Länder gehen. Das reiche vom gemeinsamen Anti-Terror-Kampf bis hin zu einem Investitionsabkommen. In der Beziehung solle konstruktiv „mit Meinungsunterschieden und den Quellen für ungesunde Konkurrenz“ umgegangen werden. China müsse die universellen Menschenrechte beachten, Internet-Kriminalität stoppen und für Frieden und Stabilität in der Region sorgen. China unterstellt den Vereinigten Staaten eine Eindämmungspolitik, um die aufstrebende zweitgrößte Wirtschaftsnation klein zu halten.

          „Unberechenbar und instabil“

          Xi rief die asiatisch-pazifische Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) zu engerer Kooperation und wirtschaftlicher Integration auf. Zum Auftakt des zweiten Tages der Beratungen der Staats- und Regierungschefs am Dienstag in Peking warnte der chinesische Präsident, dass die Weltwirtschaft weiter „unberechenbar und instabil“ sei.

          Um neue Wachstumsmechanismen zu schaffen, sollten die 21 Pazifik-Anrainer ihre Bemühungen verstärken, um die verschiedenen Märkte mit neuen Infrastrukturprojekten über Wirtschaftskorridore enger zu verbinden. Bessere Anbindungen müsse es auch durch eine Vereinfachung von Regeln und Vorschriften für den wirtschaftlichen Austausch geben, sagte Xi Jinping.

          Ein Schulterklopfer für Obama

          Auf dem Gipfel in Peking kamen sich Obama und Kremlchef Wladimir Putin mehrfach näher. Auch zu Beginn des zweiten Tages gab es eine flüchtige Kontaktaufnahme. Putin habe Obama vor der Sitzung auf die Schulter geklopft, berichtete eine Reporterin. Bereits am Vorabend waren sich beide Präsidenten begegnet.

          Über ein paar freundliche Grußformeln ging das Treffen aber nicht hinaus, wie Putins Sprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge sagte. Ein Gespräch - etwa über den Ukraine-Konflikt - habe es nicht gegeben. „Aber sie haben sich in der Tat begrüßt und haben einige Sätze gewechselt.“ Man könne davon ausgehen, dass sie bald noch Gelegenheit bekämen, kurz miteinander zu sprechen, sagte er.

          Am Wochenende werden beide auch zum Gipfeltreffen der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) in der australischen Stadt Brisbane erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass internationale Staatschefs Putin wegen seiner Unterstützung für prorussische Separatisten im Ukraine-Konflikt zur Rede stellen werden.

          Annäherung zwischen Japan und Südkorea

          Überraschend trafen Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye und Japans Premierminister Shinzo Abe auf dem Apec-Gipfel zusammen, wie Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Es war seit acht Monaten das erste hohe Treffen beider Länder. Streitigkeiten um Inseln und die „Trostfrauen“ - koreanische Sexsklavinnen, die während des Zweiten Weltkriegs in japanische Frontbordelle gezwungen wurden - lösen immer wieder Spannungen zwischen Südkorea und Japan aus.

          Was ist Apec?

          Die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) repräsentiert 40 Prozent der Weltbevölkerung und 57 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Der 1989 gegründeten Gruppe gehören 21 Länder und Regionen an. Ihre Staats- und Regierungschefs treffen sich einmal im Jahr zu den Asien-Pazifik-Gipfeln. Die Gemeinschaft wickelt 48 Prozent des Welthandels ab.

          Apec-Mitglieder sind die Vereinigten Staaten, China, Japan, Russland, Südkorea, Kanada, Mexiko, Chile, Peru, Neuseeland, Australien, Papua-Neuguinea, Taiwan, Hongkong, Brunei, Indonesien, Malaysia, Singapur, die Philippinen, Thailand und Vietnam.

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