https://www.faz.net/-gpf-9gsl9

Pakistanische Christin : Asia Bibi wartet auf Visum für Ausreise

  • Aktualisiert am

Der Anwalt von Asia Bibi, Saiful Mulook, am Dienstag in Frankfurt Bild: Reuters

Viele westliche Regierungen haben Asia Bibi nach ihrer Freilassung Hilfe angeboten. Unionspolitiker fordern für die Christin Asyl in Deutschland. Doch bislang fehlten konkrete Zusagen, kritisiert ihr Anwalt.

          2 Min.

          Die wegen Gotteslästerung in Pakistan zum Tode verurteilte und nach neun Jahren Haft freigesprochene Christin Asia Bibi wartet nach Angaben ihres Anwalts auf Papiere für ihre Ausreise. „Sie ist eine freie Frau, sie kann gehen, wohin sie will“, sagte Anwalt Saif-ul-Malook am Dienstag in Frankfurt am Main. Ihre Reisefreiheit sei nicht eingeschränkt, aber sie habe weder Pass noch Visum.

          Zwar hätten viele westliche Regierungen ihre Hilfe angeboten, aber keine habe ihr bisher die Staatsbürgerschaft angeboten. „Wobei das ja nichts Schwieriges wäre, wenn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ihrem Botschafter sagen würde, geben Sie ihr einen Pass. Dann wäre die Sache kein Problem und Asia Bibi könnte ganz einfach das Land verlassen“, sagte Saif-ul-Malook.

          Nicht nach Indien oder Bangladesch

          Die Katholikin war 2010 wegen angeblicher Gotteslästerung in dem vorwiegend muslimischen Land zum Tode verurteilt worden. Das Urteil wurde aber vor kurzem aufgehoben und Asia Bibi aus dem Gefängnis entlassen. Das löste massive Proteste radikalislamischer Gruppen aus.

          In welches Land Asia Bibi gehe, sei nicht entschieden, sagte der Anwalt, der nach eigenen Angaben aber seit vor ihrer Entlassung nicht mehr mit ihr gesprochen hat. Asia Bibi habe keine Präferenz, sie spreche weder Englisch noch eine andere Sprache. Sicher sei nur, dass sie nach Europa wolle und nicht nach Indien oder Bangladesch.

          Geplant sei die Ausreise von vier Personen, von Asia Bibi, ihren zwei Töchtern und ihrem Mann. Ihrem Anwalt zufolge hat ihr Mann drei weitere Kinder mit einer anderen Frau, die aber in Pakistan bleiben wollen. Nach Darstellung ihres Anwalts ist die Christin derzeit in Sicherheit, sie lebe mit ihrer Familie an einem geschützten Ort. „Es geht ihr gut“.

          „Wir sollten sie und ihre Familie aufnehmen“

          Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte am Dienstag, eine Reihe europäischer Länder wäre einer Aufnahme gegenüber aufgeschlossen, sollte Asia Bibi Pakistan verlassen können und wollen. „Dazu gehört selbstverständlich auch Deutschland.“

          Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), sprach sich am Dienstag in Berlin für ihre Aufnahme in Deutschland aus. „Wir sollten sie und ihre Familie aufnehmen“, sagte Grübel. „Wenn sie nach Deutschland will, ist sie ein klassischer Fall von politischem Asyl.“ Es sollte ein Angebot aus Deutschland geben, betonte er.

          Die CSU hatte bereits am Montag schnelles Asyl für Asia Bibi gefordert. „Deutschland muss der Christin, die von radikalislamischen Männerhorden aufgrund ihres katholischen Glaubens tyrannisiert und verfolgt wird, schnell Asyl gewähren“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Stefan Müller, der „Bild“-Zeitung. Die Sicherheit könne für sie und ihre Familie in Pakistan nicht gewährleistet werden.

          Das deutsche Asylsystem sei für Verfolgte wie Asia Bibi gemacht, die neun Jahre unschuldig von Islamisten weggesperrt gewesen sei, sagte Müller. „Das Martyrium dieser Frau muss ein Ende haben.“

          Weitere Themen

          Sarah war im Krieg

          FAZ Plus Artikel: Prozess für IS-Rückkehrerin : Sarah war im Krieg

          Sie lebte im beschaulichen Konstanz und war eine gute Schülerin. Dann machte sich die 15 Jahre alte Gymnasiastin auf den Weg zum „Islamischen Staat“ in Syrien – nun steht sie vor Gericht.

          Carrie Lam bricht Rede ab Video-Seite öffnen

          Chaos im Stadtparlament : Carrie Lam bricht Rede ab

          Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hat eine Regierungserklärung im Stadtparlament inmitten chaotischer Szenen abbrechen müssen. Pro-demokratische Abgeordnete störten den Auftritt mit lauten Zwischenrufen.

          Topmeldungen

          Demokraten-Debatte : Angriff auf Warren

          Bei der vierten Fernsehdebatte der Demokraten zeigte sich, dass Joe Biden nicht mehr der einzige Favorit ist, an dem sich alle abarbeiten. Diesmal musste Elizabeth Warren die meisten Angriffe parieren. Und Bernie Sanders musste sich nach seinem Herzinfarkt Fragen zu seiner Gesundheit gefallen lassen.
          Ein Messschlauch eines Geräts zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW Golf.

          Diesel-Skandal : Australischer Richter findet Einigung „unverschämt“

          Dass Volkswagen in der Diesel-Affäre einen Kompromiss mit der australischen Wettbewerbsbehörde geschlossen hat, regt den Richter auf. Das VW-Management wolle seine Hände in Unschuld waschen. „Ein Fiasko für die Unternehmensaufsicht.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.