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Antworten zur Bedrohungslage : Schwer berechenbare Strahlung

  • -Aktualisiert am

Schutzkleidung: Ein Frau trägt ein Wärmekissen, das ihr in einem Notzentrum ausgehändigt wurde. Bild: (c) AP

Von 500 Millisievert an drohen akute Gesundheitsschäden. Aber auch eine nur moderat erhöhte Dosis kann bereits Folgen haben. Je stärker die Strahlung, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit späterer Schäden. Sieben Antworten zur atomaren Bedrohungslage.

          Strahlung kann in Form sichtbaren und unsichtbaren Lichts auftreten, aber auch zum Beispiel als „Elektrosmog“ von Handys und Radiosendern. In diesen Fällen handelt es sich um Strahlung niedriger Energie. Trifft sie auf lebendes Gewebe, wird die abgegebene Energie in Wärme verwandelt. Bei Sonnenlicht ist es viel Wärme, bei der Handystrahlung unmerklich wenig. Ganz anders liegen die Verhältnisse bei der Strahlung, die infolge des radioaktiven Zerfalls von Elementen wie Uran entsteht.

          Sie transportiert viel mehr Energie. Diese ist so hoch, dass sie im Gewebe zu einer sogenannten Ionisierung führt: Sie setzt dem Menschen ständig unmerklich, mitunter auch merklich zu, weil sie wichtige Moleküle in den Zellen schädigen kann, indem sie Elektronen herausschlägt. Wird das Erbmolekül DNS getroffen, führt das unter Umständen zu Krebs oder zu Erbschäden bei den Nachkommen.

          Was ist ein Becquerel?

          Nach der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 war es vor allem die Maßeinheit Becquerel, die allenthalben auftauchte. Dass viele Becquerel automatisch ein hohes gesundheitliches Risiko bedeuten, war aber nur ein in der Bevölkerung weit verbreiteter ein Irrtum. Das Becquerel ist ein Maß für die Radioaktivität. Es gibt die Zahl der mit der Aussendung von Strahlung verbundenen Kernumwandlungen von Isotopen etwa des Caesiums und Jods pro Sekunde an, zum Beispiel in einem Kilogramm Lebensmittel oder in einem Kubikmeter Luft.

          Diese Aktivität lässt sich - falls keine große Genauigkeit vonnöten ist - mit Messgeräten schnell ermitteln, und entsprechend beliebt waren nach Reaktorunglücken Angaben in Becquerel. Noch Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe kursierten lange Listen mit den Caesium-Aktivitätswerten zufällig entnommener Lebensmittelproben. Viele Menschen orientierten sich daran, obwohl die Stichproben praktisch nichts über die Belastung der aktuell zum Verzehr anstehenden Produkte aussagten.

          Warum bedarf es Angaben zur Dosis?

          Aus der Strahlungsaktivität von Lebensmitteln oder der Umgebung lässt sich nicht direkt auf die Gesundheitsgefährdung schließen. Denn dazu muss man zumindest wissen, wie viel Strahlung in den Körper gelangt und dort eine Wirkung entfaltet. Wie bei einem Gift oder einem Medikament muss die Dosis ermittelt werden. Das ist schwieriger als die bloße Bestimmung der Aktivität. Weil die biologische Wirkung ionisierender Strahlung darauf beruht, dass Energie auf den Körper übertragen wird, besteht eine erste Annäherung darin, die sogenannte Energiedosis zu berechnen. Als Maßeinheit dient das Gray. Ein Gray ist sehr viel, daher hat man es in der Praxis meist mit einem Tausendstel oder gar Millionstel zu tun, also mit Milligray oder Mikrogray. Werte dieses Bereiches werden jetzt auch aus Japan berichtet, wobei allerdings eine genaue Zuordnung schwierig erscheint.

          Bei der ionisierenden Strahlung muss man nicht nur die Art berücksichtigen - also Alpha-, Beta- und Gamma- und Röntgenstrahlung -, sondern auch die unterschiedliche Energieabgabe im Gewebe. Alphastrahlung etwa dringt zwar kaum ein, aber ihre biologische Wirkung auf das getroffene Gewebe wird auf das Zwanzigfache derjenigen von Beta- und Gammastrahlung veranschlagt. Sie kann auf engem Raum zahlreiche Ionisierungen hervorrufen. Gewichtet man die biologische Wirkung, was ja für die gesundheitliche Bewertung maßgeblich ist, wird aus der Energiedosis die sogenannte Äquivalentdosis. Sie wird in Sievert beziehungsweise in Milli- oder Mikrosievert angegeben.

          Nicht alle Teile des Körpers sind für ionisierende Strahlung gleichermaßen empfindlich. Die Haut zum Beispiel erweist sich als recht widerstandsfähig, während manche inneren Organe deutlich anfälliger sind. In der Strahlenbiologie hat man das zum Anlass genommen, bei der Berechnung einer Strahlendosis auch diese unterschiedliche Empfindlichkeit der Organe zu berücksichtigen. Das führte zu einer organ- oder gewebespezifischen Gewichtung. Aus der Äquivalentdosis wird dadurch die sogenannte effektive Dosis. Die Maßeinheit, das Sievert, bleibt.

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