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Antwort auf Trumps Strategie : Taliban wollen Afghanistan zum „Friedhof“ der Amerikaner machen

  • Aktualisiert am

Donald Trump will mehr Truppen und Waffen nach Afghanistan schicken. Bild: AP

Amerikas Präsident will mehr Soldaten und Waffen nach Afghanistan schicken – und fordert das auch von den Nato-Partnern. Die Taliban drohen umgehend, sie würden Trump „die Realitäten in diesem Land zeigen“.

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          Die Vereinigten Staaten werden in der seit 16 Jahre andauernden Militäroperation in Afghanistan ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus verstärken. Der amerikanische Präsident Donald Trump pochte außerdem darauf, dass die Nato-Partner ihr militärisches Engagement ausweiten. Zudem müsse das Nachbarland Pakistan stärker in die Pflicht genommen werden, kündigte Trump in einer Rede zur Südasien-Strategie an. Dem amerikanischen Verteidigungsminister James Mattis zufolge haben sich einige Verbündete bereits zu einer stärkeren Unterstützung bereit erklärt.

          Trump vermied es, über eine Aufstockung der Zahl der bisher 8400 amerikanischen Soldaten am Hindukusch zu sprechen. Zuvor war in Medienberichten davon die Rede, die Zahl werde um bis zu 4000 Soldaten erhöht. Die Option eines festgelegten Rückzuges schloss Trump aus. Es gebe keine zeitlichen Vorgaben mehr, denn das würde nur den Gegnern nützen, sagte Trump. Ein möglicher Abzugstermin der Amerikaner hänge allein vom Erfolg ab.

          Amerikas Außenpolitik : Trump kündigt stärkeres Engagement in Afghanistan an

          Damit rückt Trump von früheren Forderungen ab, er werde die amerikanischen Soldaten schnell nach Hause holen. Nach intensiven Besprechungen mit seinen Beratern sei er zu dem Schluss gekommen, dass ein rascher Abzug katastrophale Folgen haben könnte, sagte Trump: „Die Konsequenzen eines schnellen Abzugs sind sowohl vorhersehbar als auch inakzeptabel.“ Trump sagte, dass dann ein Vakuum für Terroristen entstehen würde.

          Die amerikanischen Truppen in Afghanistan erhielten jedoch größere Freiheiten, um Terroristen und international agierende kriminelle Netze ins Visier zu nehmen. „Diese Mörder müssen wissen, dass es für sie kein Versteck gibt“, sagte Trump.

          Gleichzeitig hielt er eine mögliche politische Einigung mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan für möglich. „Irgendwann, nach einem erfolgreichen Militäreinsatz, wird vielleicht ein politisches Klima möglich sein, das auch Elemente der Taliban in Afghanistan einschließt“, sagte der Präsident. Niemand könne jedoch sagen, „wann oder ob das geschehen  wird“. In seiner Rede wies Trump auch mehrmals darauf hin, dass es kein außenpolitisches Ziel der Amerikaner mehr sei, in anderen Ländern Demokratien zu errichten.

          Die Militäraktion soll stärker als bisher von politischen und diplomatischen Bemühungen flankiert werden. Dazu gehöre etwa das Austrocknen von Terrornestern im Nachbarland Pakistan, wo es noch immer Rückzugsgebiete gebe. Außerdem soll Indien stärker mit wirtschaftlicher Hilfe eingebunden werden, verkündete Trump. Das wird als klare Drohung in Richtung Pakistan verstanden. Die beiden Atommächte gelten als Erzfeinde. 

          Taliban: Afghanistan wird euer Friedhof

          Zuletzt hatten die Vereinigten Staaten sowie die Nato ihre Truppenzahl deutlich reduziert. Damit einher ging eine Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan. Die Taliban konnten zudem Gebiete erobern.

          Die Taliban kündeten nach Trumps Rede umgehend an, einen „heiligen Krieg bis zum letzten Atemzug“ zu führen. Talibansprecher Sabiullah Mudschahid schrieb in einer E-Mail an Medien, solange auch nur ein amerikanischer Soldat im Land sei, würden die Taliban ihren „Dschihad mit Entschlossenheit“ fortsetzen. „Wir werden ihnen (den Soldaten) Angst machen und ihrer Regierung die Realitäten in diesem Land zeigen.“ Die Taliban seien nicht kampfesmüde. Sollten die Vereinigten Staaten nicht abziehen, werde Afghanistan bald ein „weiterer Friedhof für diese Supermacht“.

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