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Faschismus in Italien : Die Verharmlosung ist salonfähig

Benito Mussolini führte sein Land in den Zweiten Weltkrieg – trotzdem wird der Diktator heute für sein Handeln nur noch selten verurteilt Bild: Picture-Alliance

Über 20 Jahre lang herrschte Benito Mussolini als Diktator in Italien. Für große Empörung sorgte vergangene Woche der italienische Präsident des EU-Parlaments, als er sich positiv über den faschistischen Machthaber äußerte.

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          Man stelle sich vor, der Präsident des Europäischen Parlaments käme aus Deutschland und würde sagen, er sei zwar kein Nationalsozialist, aber wenn man ehrlich sei, müsse man anerkennen, dass Hitler vor den Nürnberger Rassengesetzen und seinem Überfall auf Polen auch „positive Dinge“ getan habe; und als Beispiel würde er dann auf den Bau von Autobahnen verweisen. Ein solcher Präsident könnte sich angesichts der vorhersehbaren heftigen Empörung in Deutschland wohl kaum im Amt halten.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Der italienische Präsident des EU-Parlaments, Antonio Tajani, der in der vergangenen Woche die Ansicht äußerte, dass Mussolini, abgesehen von der Ermordung des sozialistischen Abgeordneten Giacomo Matteotti 1924, bis zu den Rassengesetzen 1938 und dem Kriegseintritt an der Seite Hitlers 1940 auch „positive Dinge“ getan habe – er nannte unter anderem Straßen, Brücken, Gebäude und Sportanlagen –, ist jedoch weiterhin in Amt und Würden. Sein historischer Exkurs löste zwar unter Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen im Europäischen Parlament heftige Empörung aus; in seinem Heimatland Italien gab es hingegen nur vereinzelt Kritik. Diese kam überdies zumeist von Politikern aus der zweiten Reihe und war nach zwei Tagen weitgehend verstummt.

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