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Terror in Großbritannien : Ein schwarzer Tag für Londons „Antiterror-Chef“

Der Mann der Stunde: Mark Rowley spricht am Donnerstag zu den Medien. Bild: AFP

Im Schnitt nahm Scotland Yard in den letzten zwei Jahren jeden Tag einen Terrorverdächtigen fest. Der Mann dahinter ist Mark Rowley. Der Polizeibeamte ist zuständig für die Terrorabwehr – recht erfolgreich bis zu den Anschlägen in London.

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          Es sei der Tag, auf den man sich vorbereitet habe, und von dem man gehofft habe, er werde nie kommen, sagte Mark Rowley wenige Stunden nach dem Anschlag vor dem britischen Parlament. Er stand, umringt von Reportern, vor dem neuen Hauptquartier von Scotland Yard, in Sichtweite zum Tatort. „Leider“, fuhr Rowley fort, „ist er nun Realität geworden.“

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Erst Anfang des Monats war Rowley, der in den Medien der Einfachheit halber als „Antiterror-Chef“ bezeichnet wird, an die Öffentlichkeit getreten und hatte die Arbeit der Sicherheitsbehörden mit neuen Fakten dokumentiert. Seit 2013, dem Jahr, in dem zwei Islamisten in London einen britischen Soldaten auf offener Straße mit einer Machete ermordet hatten, habe seine Behörde in Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten 13 Terroranschläge im Königreich vereitelt, berichtete er. Die Zahlen, die er folgen ließ, waren zur Beruhigung und zur Beunruhigung gleichermaßen angetan.

          In den zwei Jahren, in denen die Terrorwarnstufe nun schon auf „ernst“ steht, sei im Schnitt ein Verdächtiger pro Tag festgenommen worden. Zeitweise ermittelten die Beamten in mehr als 500 terrorbezogenen Fällen gleichzeitig. 22.000 Menschen hätten im vergangenen Jahr die Antiterror-Hotline angerufen, doppelt so viele wie im Jahr davor. „Auch wenn die Öffentlichkeit großartige Arbeit leistet – wir wollen mehr Hilfe!“, sagte er.

          Genauere Informationen gibt es jedoch nicht

          In diesen Tagen zeigt er, dass Informationsbereitschaft zuweilen auch eine Einbahnstraße ist. Dem Drängen der Öffentlichkeit, die Identität des Attentäters preiszugeben, wollte Rowley am Donnerstag nicht nachgeben. Dies werde erst zum geeigneten Zeitpunkt geschehen, sagte er mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen. Zugleich bat er „die Investigativjournalisten um Zurückhaltung“. Rowley, heißt es, möchte die Untersuchungen in einem möglichst unaufgeladenen Umfeld vorantreiben. Die Bekanntgabe des Namens und des Wohnorts des Täters – eines in Britannien geborenen Mannes, der den Behörden bekannt war – seien zu diesem Zeitpunkt nicht hilfreich.

          Rowley ist in der Stadt zur Schule gegangen, die nun im Zentrum der Ermittlungen zu stehen scheint, in Birmingham. Nach einem kurzen Studium in Cambridge trat er in den Polizeidienst in den Midlands ein. Auf seinem Weg in die oberen Ränge machte er sich unter anderem einen Namen als Chefermittler im Mordfall Milly Dowler, ein Fall, der die Boulevardpresse jahrelang beschäftigte. Nachdem er einige Zeit die Polizei der Grafschaft Surrey geleitet hatte, zog es ihn nach London.

          Seit 2011 dient er im Metropolitan Police Service, vulgo: Scotland Yard, zuständig für die Terrorabwehr – seit 2014 als „Assistant Commissioner for Specialist Operations“. Obwohl er in dieser Rolle einer der wenigen Polizisten mit Kontakt zur obersten politischen Etage ist, gelang ihm im Februar nicht der Sprung an die Spitze. Seine Vorgängerin Cressida Dick, die in den vergangenen Jahren im Außenministerium gearbeitet hatte, zog an ihm vorbei und wird nun die erste Chefin von Scotland Yard.

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