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Kommentar zu „Gelbwesten“ : Antisemitismus ist die rote Linie

Hakenkreuze auf dem Gesicht der verstorbenen Holocaustüberlenden und Politikerin Simone Veil: Entstanden die rassistischen Schmierereien nach Protesten der „Gelbwesten“? Bild: dpa

Je offener Antisemitismus in einer Gesellschaft geäußert wird, desto stärker sind Vernunft und Anstand in Bedrängnis. Die übrige Gesellschaft muss entschieden reagieren – sonst droht Schlimmstes.

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          Antisemitismus ist ein Gradmesser dafür, wie es um eine Gesellschaft bestellt ist. Je offener er geäußert werden kann, desto stärker sind Vernunft und Anstand in Bedrängnis.

          Für die Debatten über Weltanschauungen und sozioökonomische Interessen, die der Lebensnerv einer offenen und demokratischen Gesellschaft sind, ist jede Verschwörungstheorie Gift. Aber der aus einer langen abendländischen Tradition erwachsene Antisemitismus hat unter diesen Hirngespinsten eine besondere Stellung, weil kein anderes so große und schreckliche Folgen hatte.

          Wer sich nach dem Holocaust noch antisemitischer Klischees bedient – etwa des Klischees des machtgierigen, ausbeuterischen jüdischen Bankiers – oder gar offen Juden beschimpft, nur weil sie Juden sind, wie es am Wochenende in Paris „Gelbwesten“ getan haben, der schließt sich selbst aus der zivilisierten Gesellschaft aus.

          Wenn die übrige Öffentlichkeit auf solche Vorfälle, egal ob sie von Rechten, Linken oder Muslimen kommen, nicht rasch und entschieden reagiert (auch mit den Mitteln des Strafrechts), öffnet sie die Schleusen für Schlimmeres.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

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