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„Carrie Lam, fahr zur Hölle“ : Proteste erreichen das Umland von Hongkong

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Demonstranten blockieren im Sha-Tin-Distrikt im Hongkonger Umland am Sonntag eine Straße. Bild: Reuters

Einen Monat nach Beginn der Großdemonstrationen verlagert sich die Protestbewegung immer stärker in die Außenbezirke der ehemaligen britischen Kronkolonie. In ihr Visier sind nun offiziell Tagestouristen aus China geraten.

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          Rund einen Monat nach Beginn der Großdemonstrationen in Hongkong verlagert sich die Protestbewegung immer stärker in die Außenbezirke der ehemaligen britischen Kronkolonie. Am Sonntag gingen Zehntausende Menschen in der Stadt Sha Tin auf die Straße – in einem Gebiet, das von vielen Tagestouristen aus dem chinesischen Kernland für Einkaufstouren angesteuert wird. Gegen diese Touristen richtete sich der Zorn der Demonstranten, die aber zugleich weiter für einen Erhalt der Sonderrechte von Hongkong eintraten. Vereinzelt waren Transparente zu sehen, auf denen eine Unabhängigkeit Hongkongs gefordert wurde. Bei ähnlichen Proteste am Samstag war es zu Unruhen gekommen.

          Mit den jüngsten Demonstrationen setzt sich die Protestbewegung fort, die in den vergangenen Wochen in Hongkong schon Millionen Menschen auf die Straße gebracht hat. Die chinesische Regierung bestreitet die Vorwürfe der Demonstranten, sich in die inneren Angelegenheiten Hongkongs einzumischen. Die Metropole wurde 1997 von Großbritannien an China zurückgegeben. Sie genießt aber eine Reihe von Freiheiten, die in der Volksrepublik tabu sind. Die Proteste hatte sich im Juni an Plänen für ein Auslieferungsgesetz entzündet, die Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam inzwischen als „gestorben“ bezeichnet. Doch Kritiker fordern eine offizielle Rücknahme des Entwurfs, der Auslieferungen aus Hongkong nach China ermöglicht.

          „Carrie Lam, fahr zur Hölle“, skandierten am Sonntag einige Demonstranten und forderten abermals ihren Rücktritt. Einige Kundgebungsteilnehmer schwenkten britische und amerikanische Flaggen. Andere richteten sich mit den Worten „Bitte befreie Hongkong“ auf einem Banner an Amerikas Präsident Donald Trump. Ein anderes Transparent zeigte den chinesischen Staatschef Xi Jinping zusammen mit der Forderung „Nach China ausliefern, verschwinde für immer“.

          Offizielles Ziel der Proteste am Sonntag waren Tagestouristen aus der Volksrepublik, die schon wiederholt für Unmut in der Bevölkerung von Hongkong gesorgt haben. Nach amtlichen Statistiken haben in den ersten fünf Monaten des Jahres fast 24 Millionen Menschen aus der dem chinesischen Kernland Hongkong besucht – knapp 18 Prozent mehr als im Vorjahr. In Hongkong leben rund 7,4 Millionen Menschen.

          Am Samstag demonstrierten bereits zahlreiche Menschen in einer anderen Stadt im Umland der Metropole gegen Händler, die sich in Hongkong mit großen Mengen an Waren eindecken und sie dann in der Volksrepublik weiterverkaufen. Kritiker werfen ihnen vor, für steigende Preise verantwortlich zu sein und keine Steuern zu zahlen. Bei den Kundgebungen war es in der Grenzstadt Sheung Shui zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen.

          Hongkongs Regierung verurteilte die Ausschreitungen und erklärte zudem, sie sei bereits gegen die Grenzhändler vorgegangen. Sie habe wegen der fraglichen Geschäfte in den vergangenen 18 Monaten 126 Personen aus der Volksrepublik festgenommen und 5000 weiteren wegen des Verdachts auf ähnliche Pläne die Einreise in die Sonderverwaltungszone verwehrt.

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