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Ansturm auf Lampedusa : Steuert Erdogan den Migrationsstrom?

Am 17. Mai 2021 kamen mehr als 1400 Migranten in Lampedusa an. Bild: AFP

Die Zahl der Migranten, die Italien über das Mittelmeer erreichen, steigt wieder deutlich. Die Regierung Draghi wirft der Türkei vor, den Migrationsstrom nach Belieben nach Europa zu lenken.

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          Für die jüngste Zunahme der Zahl der Bootsmigranten im zentralen Mittelmeer machen in Italien nicht nur einzelne Politiker wie Andrea Delmastro von der postfaschistischen Partei „Brüder Italiens“ direkt Ankara verantwortlich. Dieser Tage sagte Delmastro dem Fernsehsender La7: „In Libyen öffnet Sultan Erdogan die Schleusen der Migrationsströme aus dem Süden zur Bedrohung Europas – so wie er es auch im Osten tut.“ Weiter: „Während wir Milliarden über Milliarden Euro an die Türkei zur Sicherung der Grenzen im Osten überweisen, bringen wir für die Seegrenzen im Süden nur ein paar Hundert Millionen auf.“ Das müsse sich ändern, forderte Delmastro. Mit seiner Forderung steht er nicht allein.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Denn die Zahl der Migranten, die bis Mitte Mai „aus eigener Kraft“ oder an Bord von Rettungsschiffen Italien erreicht haben, hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdreifacht. Bis zum 14. Mai waren es nach Angaben des Innenministeriums 13.131 Personen, im Vorjahreszeitraum waren es jedoch nur 4237 und 1129 im Jahr 2019. Allein am vorvergangenen Wochenende kamen auf der Insel Lampedusa, dem südlichsten „Außenposten“ Italiens im Mittelmeer, binnen 24 Stunden mehr als 2128 Migranten an.

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