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Anschlag von Suruc : Die Geister, die Erdogan rief

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Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte am Montag nicht näher benannte offizielle türkische Stellen, die bestätigt hätten, erste Spuren deuteten darauf hin, die Tat sei das Werk eines IS-Selbstmordattentäters. Das bestätigte Ministerpräsident Davutoglu, der sagte, es gebe erste Hinweise, die darauf deuteten. Die Zeitung „Hürriyet“ zitierte „offizielle Quellen“, laut denen die Tat von einer 18 Jahre jungen Frau verübt worden sei. Darüber wird in den kommenden Tagen noch viel berichtet und spekuliert werden – wie auch über die bisherige Syrien-Politik der Türkei – also de facto der bisher allein regierenden „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP).

Man weiß heute mehr als vor zwei Jahren über die zumindest zeitweilig fragwürdige Rolle Ankaras bei der Unterstützung islamistischer Kämpfer in Syrien. Dass islamistische Gruppen die türkischen Grenzgebiete zu Syrien als Rückzugsort und zur Behandlung ihrer verwundeten Kämpfer nutzen konnten, konnte jeder sehen, der sich nur ein paar Tage dort aufhielt. Mutige türkische Journalisten haben in den vergangenen Monaten zudem zumindest partiell nachweisen können, dass der Geheimdienst der Türkei mindestens bis 2013 noch Waffen und Munition an islamistische Gruppen in Syrien geliefert, in anderen Fällen die Lieferung durch Wegsehen geduldet hat. Es scheint zwar inzwischen eine Kursanpassung gegeben zu haben. Auch ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, dass der IS jemals zu den Empfängern türkischer Waffenlieferungen gehört hat.

Ankara fürchtet die Kurden

Und doch gibt es die Befürchtung, dass die Türkei die islamistischen Geister, die sie einst gegen Assad unterstützte, nicht mehr loswerden wird. Von der Gefahr einer „Pakistanisierung der Türkei“ spricht etwa der türkische Publizist Mustafa Akyol. Er und andere erinnern daran, dass auch die Herrschenden in Islamabad einst wähnten, islamistische Gotteskrieger in Afghanistan fördern zu können, ohne das eigene Land in Mitleidenschaft zu ziehen. In Pakistan ist dieser Versuch den Herrschenden längst entglitten – droht das ähnlich auch der Türkei?

Die offizielle Haltung der AKP ist es weiterhin, dass die kurdischen Freischärlereinheiten im Norden Syriens genauso gefährlich seien wie der IS. Eine Position, die außerhalb Ankaras nur sehr wenige Unterstützer findet. Hinter dieser Darstellung steckt die Furcht der Türkei, selbstverwaltete, am Ende gar noch leidlich demokratische kurdische Gebiete im Norden Syriens könnten die Begehrlichkeiten der Kurden Südostanatoliens verstärken. Als Ministerpräsident hatte Erdogan einst gewarnt, nichts, was auf der einen Seite der türkisch-syrischen Grenze geschehe, bleibe ohne Widerhall auf der anderen. Das gilt freilich auch für den Fall eines islamistischen Terrorstaates vor der Haustür der Türkei.

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