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Anschlag vereitelt : Moskaus Dank an Washington

Festnahme in Sankt Petersburg Bild: Reuters

Informationen aus Amerika haben nach russischen Angaben geholfen, einen Anschlag in Sankt Petersburg zu verhindern. Internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror ist nicht selten – trotz geopolitischer Differenzen.

          2 Min.

          Moskaus Dank war knapp, Details bleiben unklar: Am Sonntagabend teilte der Kreml mit, Präsident Wladimir Putin habe dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump für eine über die Geheimdienste übermittelte Information gedankt, die geholfen habe, Terroranschläge in Russland abzuwenden. Zudem seien Fragen von gegenseitigem Interesse erörtert worden und man habe vereinbart, die bilaterale Zusammenarbeit im Kampf gegen Terrorismus fortzusetzen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Kurz darauf teilte der russische Geheimdienst FSB mit, man habe auf der Grundlage von Informationen der „amerikanischen Partner“ zwei russische Staatsbürger festgenommen, die während der bevorstehenden Neujahrsfeierlichkeiten in Sankt Petersburg Terroranschläge hätten verüben wollen. Die Festnahmen seien am vergangenen Freitag geschehen, Beweismaterialien seien beschlagnahmt worden.

          Es hieß, die beiden jungen Männer hätten gestanden. Dazu verbreitete der FSB ein Video, auf dem zu sehen ist, wie seine Agenten zwei junge Männer von „slawischem Äußeren“ – mit dieser Formulierung grenzen russische Medien von Personen aus dem Nordkaukasus oder Zentralasien ab – getrennt voneinander festnehmen. Dazu sieht man Bilder von Patronen, Messern, Kabeln, eine schwarze Kappe, eine Sonnenbrille. Die Männer wurden noch am Montag unter Terrorvorwürfen einem Petersburger Gericht vorgeführt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

          Terrorvorwürfe folgen politischer Opportunität

          Das örtliche Newsportal fontanka.ru berichtete unter Berufung auf den FSB, die beiden Terrorverdächtigen seien der 23 Jahre alte Georgij Tschernyschew und der 22 Jahre alte Nikita Semjonow. Sie wohnten in Sankt Petersburg und hätten ein Einkaufszentrum sowie die Kasaner Kathedrale im Stadtzentrum fotografiert. Seit dem vergangenen August hätten sie über die Online-Messaging-Dienste Telegram und Signal mit Mitgliedern der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) Kontakt gehabt, um den genauen Anschlagsort zu bestimmen.

          Zudem hätten sie in einem Video dem im Oktober von den Amerikanern in Nordsyrien getöteten früheren IS-Anführer Abu Bakr al Bagdadi einen Treueeid geleistet. Laut fontanka.ru wurden in den Wohnungen der beiden weder Sprengsätze noch Komponenten dafür gefunden, so dass der genannte Zeitpunkt für die angeblich geplanten Anschläge, die Neujahrsfeiertage, Zweifel hervorrufe. Das Weiße Haus bestätigte den Anruf aus dem Kreml zunächst nicht. Die amerikanische Bundespolizei FBI wollte gegenüber einer russischen Staatsnachrichtenagentur die Meldungen nicht kommentieren.

          Terrorvorwürfe folgen in Russland politischer Opportunität. Regelmäßig werden Erfolge in der Abwendung von Anschlägen gemeldet. Im Falle von Misserfolgen, wie jüngst dem Angriff eines Bewaffneten auf die Moskauer FSB-Zentrale Lubjanka, bei dem zwei Agenten und der Angreifer umkamen, ist offiziell nicht von Terrorismus die Rede, auch wenn es entsprechende Anzeichen gibt. Mehrfach ist in Moskau über internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Terrorismus berichtet worden, auch mit den Vereinigten Staaten, über geopolitische Differenzen hinweg.

          Mitte Oktober sagte der FSB-Direktor Alexander Bortnikow, dass die Vereinigten Staaten Informationen über Personen, die im Verdacht stünden, in Russland Anschläge vorzubereiten, vor kurzem mit Moskau geteilt hätten; Details nannte er nicht. Bortnikow verwies auch auf amerikanische Hilfe dabei, einen angeblich geplanten Angriff auf die Kasaner Kathedrale in Sankt Petersburg Ende 2017 zu vereiteln, sowie auf russische Hilfe bei der Aufklärung des von zwei Tschetschenen verübten Anschlags auf den Bostoner Marathon 2013. Auch nach der angeblichen Vereitelung des Anschlags auf die Kasaner Kathedrale vor gut zwei Jahren hatte Putin Trump telefonisch gedankt und versprochen, ebenso zu verfahren, sollte man von entsprechenden Bedrohungen für die Vereinigten Staaten erfahren.

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