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Terrorakt auf Weihnachtsmarkt : Deutsche Behörden suchen auch nach Bruder des Straßburg-Attentäters

  • Aktualisiert am

Schwer bewaffnete Polizisten bewachen am Mittwoch die Innenstadt von Straßburg. Bild: dpa

Nach dem Attentäter von Straßburg wird auch in Deutschland fieberhaft gesucht. Nach seinem Bruder wird von den Sicherheitsbehörden ebenfalls gefahndet. Die beiden Franzosen sollen dem Islamistenmilieu angehören.

          Die deutschen Sicherheitsbehörden sind nicht nur an der Suche nach dem Attentäter von Straßburg beteiligt, sondern fahnden auch nach dessen Bruder. Die beiden französischen Staatsbürger mit nordafrikanischen Wurzeln wohnten nach Informationen aus Sicherheitskreisen zuletzt in Straßburg.

          Die Brüder würden in Frankreich als radikalisiert eingestuft und dem Straßburger Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte dem Berliner „Tagesspiegel“ am Mittwoch. In Deutschland tauchen die Namen des mutmaßlichen Attentäters Chérif C. und seines Bruders Sami C. allerdings nach dpa-Informationen nicht in der Datei für islamistische Gefährder auf. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Schwelle für eine Registrierung in der französischen „fiche-S-Datei“ sei deutlich niedriger als für die Aufnahme in die deutsche Gefährder-Datei.

          Zweijährige Haftstrafe in Deutschland abgesessen

          Der mutmaßliche Attentäter hatte wegen schweren Diebstahls von Anfang 2016 bis Februar 2017 in Deutschland eine Haftstrafe verbüßt – zuerst in Konstanz. Nach Informationen des „Tagesspiegels“ wurde er später in die Justizvollzugsanstalt Freiburg verlegt. Der 29-Jährige wurde vom Amtsgericht Singen wegen mehrfachem schweren Diebstahls zu mehrere Jahren Haft verurteilt und saß in Deutschland im Gefängnis. Mitte 2016 wurde er zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, weil er in eine Zahnarztpraxis in Mainz und eine Apotheke im Süden Baden-Württembergs eingebrochen war. Zuvor wurde er unter anderem schon 2008 in Frankreich und 2013 in der Schweiz jeweils wegen mehrerer Einbrüche zu Gefängnisstrafen verurteilt. Alle Taten hat er zugegeben.

          Im Februar 2017 wurde er nach Frankreich abgeschoben. Er sei zusammen mit sechs Geschwistern im Elternhaus in Straßburg aufgewachsen, habe einen dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss, aber keine Ausbildung gemacht. Nach der Schule habe er bei der Gemeinde gearbeitet, seit 2011 sei er arbeitslos gewesen und nach eigener Aussage viel gereist. Schon vor seiner Verurteilung in Singen habe er insgesamt vier Jahre in Gefängnissen verbracht, heißt es im Urteil.

          Das Motiv für den Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnte Rache gewesen sein, spekulierte der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Möglicherweise habe Chérif C. auf den Versuch seiner Festnahme durch die Polizei in Straßburg spontan reagiert. Den französischen Sicherheitsbehörden sei keine Vorbereitung eines Anschlags in Straßburg bekannt gewesen.

          Insgesamt sind bei dem Anschlag drei Menschen getötet worden. Es seien zudem 14 Menschen verletzt worden, davon sieben schwer und sieben leicht. Der Attentäter wurde bei seiner Flucht offenbar verletzt als er sich zwei Schusswechsel mit Sicherheitskräften lieferte. An der Suche nach dem 29-Jährigen sind nach Angaben des französischen Innenministeriums derzeit 350 Sicherheitskräfte beteiligt. Unterstützt wurden diese unter anderem von zwei Hubschraubern. Auch die Bundespolizei kontrolliert mehrere Grenzübergänge von Deutschland nach Frankreich. Wie ein Sprecher am Mittwochmorgen sagte, ist die Polizei in Kehl, Iffezheim, Breisach und Rheinau im Einsatz. Pendler von Deutschland nach Frankreich müssten sich auf Wartezeiten bis zu 90 Minuten einstellen, hieß es weiter. Wie lange die Kontrollen noch andauern, sei unklar. „Wir sind auf die Kollegen in Frankreich angewiesen. Solange die Lage nicht bereinigt ist, werden wir weiter kontrollieren“, sagte der Polizeisprecher.

          Schwerbewaffnete Soldaten stehen vor den geschlossenen Verkaufsbuden des Weihnachtsmarktes vor dem Straßburger Münster. Bilderstrecke

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