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Anschlag in Pakistan : Taliban-Racheakt für Tod Bin Ladins

  • Aktualisiert am

Die Verletzten werden in ein Krankenhaus in Peshawar gebracht Bild: dpa

Bei zwei Selbstmordanschlägen auf Rekruten sind im Nordwesten Pakistans mindestens 80 Menschen getötet worden. Nach Polizeiangaben wurden mehr als 75 Menschen verletzt. Es ist der erste schwere Anschlag nach der Tötung Usama Bin Ladins.

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          Die pakistanischen Taliban haben am Freitag einen schweren Anschlag im Nordwesten des Landes als Racheakt für die Tötung des Al Qaida-Führers Usama Bin Ladin verübt. Zwei Selbstmordattentäter griffen ein Ausbildungszentrum der paramilitärischen Grenztruppen im Distrikt Charsadda an.

          Dabei wurden mindestens 80 Personen getötet, fast ausschließlich Rekruten. Die radikalen Islamisten bezichtigten sich der Tat; einer ihrer Sprecher kündigte weitere, größere Anschläge in Pakistan und in Afghanistan an. Laut pakistanischen Medien, die sich auf Krankenhausangaben beriefen wurden mindestens 100 weitere Personen verletzt. Dutzende schwebten in Lebensgefahr, hieß es am Freitagnachmittag.

          CIA verhört Bin-Ladin-Witwen

          Mitarbeiter des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA verhörten derweil nach Angaben des Nachrichtensenders CNN die drei Witwen Bin Ladins. Wie der Sender unter Berufung auf Informationen aus der amerikanischen und der pakistanischen Regierung berichtete, konnten die Frauen zunächst nur als Gruppe befragt werden, obwohl die Amerikaner sie einzeln hatten vernehmen wollen. Bei der Vernehmung habe die älteste der Frauen für alle gesprochen; alle drei Frauen seien den amerikanischen Vernehmern gegenüber „feindselig“ eingestellt gewesen, hieß es.

          Der Anschlag ereignete sich in der Region Shabqadar, im Nordwesten Pakistans

          Bei dem ersten Verhör waren auch Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdienstes ISI anwesend. In Washington wurde bekannt, dass Soldaten des Kommandos den Einsatz mit ihren Helmkameras gefilmt haben. Die Bilder zeigten, dass es während des knapp 40 Minuten dauernden Einsatzes nur im Hof des Gebäudekomplexes ein Feuergefecht gegeben habe. Im ersten und im zweiten Stock, wo sich Bin Ladin und seine Frauen aufgehalten hatten, schossen nur die Soldaten der Navy-Seals, Bin Ladin zunächst in die Brust und dann in den Kopf trafen. Bei einem amerikanischen Raketenangriff im Grenzgebiet Pakistans zu Afghanistan wurden nach Geheimdienstangaben vom Freitag drei Personen getötet.

          Unterdessen machte der indische Ministerpräsident Manmohan Singh während seines Besuches in Kabul deutlich, dass seine Regierung nicht mehr gegen Verhandlungen der afghanischen Führung mit den Taliban ist. Vor dem Parlament sagte Singh, Afghanistan habe sich auf einen Prozess der nationalen Aussöhnung eingelassen. Indien wünsche dem Land „bei diesem Unterfangen alles Gute.“ „Es liegt an Ihnen als Volksvertreter, ohne Einmischung oder Druck von außen Entscheidungen über die Zukunft ihres Landes zu treffen“, sagte der indische Regierungschef den Parlamentariern.

          Sein Land werde diese Entscheidungen akzeptieren. Indien hatte sich in den vergangenen Jahren gegen Verhandlungen mit den radikalen Islamisten ausgesprochen, und war mit dieser Haltung zunehmend isoliert. Die Führung in Delhi fürchtet, dass mit einer Beteiligung der Taliban an der afghanischen der Einfluss des Erzfeindes Pakistan zunehmen könnte. Indien, das sich nicht militärisch in Afghanistan engagiert, ist einer der wichtigsten Geldgeber für den Wiederaufbau. Singh war am Donnerstag in Kabul eingetroffen und sagte in einer gemeinsamen Erklärung mit dem afghanischen Präsidenten Karzai zusätzliche 500 Millionen Dollar für Entwicklungsprojekte zu.

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