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Nach Anschlag in Oslo : Polizei will mögliche eigene Fehler untersuchen

Zwei Tage danach: Eine Frau läuft an den Blumen vorbei, die vor der Bar in Oslo niedergelegt wurden. Bild: Reuters

Ein Mann hatte am Samstag vor einer bekannten Schwulenbar in Oslo um sich geschossen und zwei Menschen getötet. Er war polizeibekannt – die Behörden wollen nun ihre eigene Arbeit überprüfen.

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          Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag in der Innenstadt von Oslo am Samstagmorgen richtet sich nun der Blick auf mögliche Fehler der Sicherheitsbehörden. Die Führung von Polizei und dem Inlandsgeheimdienst PST teilte am Montag mit, dass man den Vorgang rund um den mutmaßlichen Täter bis hin zur Schießerei überprüfen werde. Es werde dazu ein gemeinsames Gremium eingesetzt. Wie dieses besetzt wird, ist aber noch offen. Angesichts der Schwere des Falls sei es sehr wichtig, mögliche Schwachstellen und Fehler schnell zu identifizieren und Maßnahmen ergreifen zu können, teilten beide Behörden mit.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Am frühen Samstagmorgen hatte Zaniar M., dessen Alter zunächst mit 42 angegeben wurde und dann mit 43, das Feuer vor einer bekannten Homosexuellen-Bar eröffnet und auch in der nahen Umgebung geschossen. Zwei Männer wurden getötet, 21 Menschen verletzt. Die Justizministerin Emilie Enger Mehl hatte am Montag laut norwegischen Medien ebenfalls eine Bewertung der Polizei und des Geheimdiensts PST gefordert.

          Ermittlung wegen Terrors

          Die Polizei kannte den mutmaßlichen Täter wegen zahlreicher Ermittlungen, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Drogenbesitzes, bereits seit vielen Jahren. Auch der Geheimdienst PST hatte mitgeteilt, dass er Zaniar M. bereits seit 2015 beobachte. Dabei sei es um die Radikalisierung des Norwegers mit iranischen Wurzeln gegangen und um seine Kontakte zu einem islamistischen Netzwerk.

          Gegen M. wird nun wegen Mords, Mordversuchs und Terrors ermittelt. Er war kurz nach der Tat festgenommen worden und hatte sich zunächst geweigert, mit den Ermittlern zu sprechen. Die Polizei verfolgt zum Motiv noch immer mehrere Hypothesen, darunter auch ein mögliches Hassverbrechen gegen Homosexuelle – der Angriff erfolgte in der Nacht vor der geplanten und später abgesagten Pride-Parade in der norwegischen Hauptstadt.

          Der PST stufte die Tat als islamistischen Terroranschlag ein. Am Montagabend wurden mehrere Tausend Menschen zu einer Kundgebung auf dem Rathausplatz in Oslo erwartet. Dort sollte ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz gesetzt werden.

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