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Anschlag in Christchurch : Tödliche Islamfeindlichkeit

  • -Aktualisiert am

Muslime nehmen nach dem Anschlag im neuseeländischen Christchurch im amerikanischen Virginia am Freitagsgebet teil. Bild: AFP

Die Tat von Christchurch ist kein Verbrechen in einem fernen Land, das nichts mit uns zu tun hat: In allen westlichen Gesellschaften gedeiht die Islamfeindlichkeit. Das hat auch viel mit Stimmungsmache von Politikern zu tun.

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          Neuseeland liegt am anderen Ende der Welt. Und Leute, die in Gotteshäusern wahllos Mitmenschen erschießen, sind per se Wahnsinnige, selbst wenn sie, worauf in Christchurch etwa die Sprengfallen hindeuten, ihre Tat gründlich geplant haben. Dennoch löge sich jeder Europäer in die Tasche, der meinte, das Verbrechen von Einzeltätern in einem fernen Land habe mit uns nichts zu tun. In allen westlichen Gesellschaften gedeiht die Islamfeindlichkeit. Mehr als 17 Jahre nach Al Qaidas Angriff auf Amerika, knapp fünf Jahre nach den Enthauptungsvideos des „Islamischen Staats“, dreieinhalb Jahre nach dem Flüchtlingsansturm auf Europa geht die Furcht vor „Überfremdung“ Hand in Hand mit der Angst vor Terror.

          Doch kein Anschlag, kein selbsternannter Kalif und kein Wertekonflikt zwischen Migranten und Mehrheitsgesellschaft macht es hinfällig, zwischen der Weltreligion mit den zweitmeisten Gläubigen und deren Vereinnahmung durch Islamisten zu unterscheiden. Deshalb wirkt es schal, wenn jetzt Donald Trump den Opfer-Angehörigen in Christchurch Mut zuspricht. Nein, Trump trägt nicht die Schuld an allen Übeln der Welt. Aber wenn als „Führer der freien Welt“ ein Mann fungiert, der eine „Muslim-Blockade“ versprach und sagte, dass „der Islam uns hasst“, dann legitimiert das auch jenseits von Amerika einen gefährlichen Diskurs.

          In Europa freilich tat etwa Geert Wilders den Islam schon lange vor Trump als „faschistische Ideologie“ ab; viele, die heute in der AfD sind, bewunderten den Niederländer dafür. Der Europaabgeordnete Mario Borghezio von der in Italien regierenden Lega wiederum war es, der 2011 zwar nicht den Massenmord, aber die Thesen des norwegischen Rechtsterroristen Breivik vom „Krieg“ gegen den Islam lobte. Es ist bitter, dass solche Kräfte in Europa Fuß fassen konnten.

          Leider sind die lautesten Warner vor „Islamophobie“ auch nach dem Terror von Christchurch Politiker vom Schlage des türkischen Präsidenten oder des pakistanischen Ministerpräsidenten – nicht gerade ideale Partner, wenn es um Religions- und Meinungsfreiheit geht. Der Aufstand gegen Islamfeindlichkeit muss denn auch aus den westlichen Gesellschaften selbst kommen. Sie ist zwar kein Zwilling des Antisemitismus, der seine eigene Geschichte und Ausprägungen hat. Aber die Sensibilität für die Gefahren darf nicht kleiner sein. Das Massaker am anderen Ende der Welt ist eine Mahnung dafür.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

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