https://www.faz.net/-gpf-8y5ql

Anschlag in Manchester : Attentäter war offenbar in Syrien

  • Aktualisiert am

Britische Polizisten drücken ihr Mitgefühl aus Bild: dpa

Für den Geheimdienst Großbritanniens war Salman Abedi kein Unbekannter. Dem französischen Innenminister Gérard Collomb zufolge hat er kurz vor dem Anschlag eine Reise nach Syrien unternommen. Was wir über den Attentäter wissen.

          2 Min.

          Der Attentäter Salman Abedi hat kurz vor dem Anschlag in Manchester eine Reise nach Libyen unternommen, wo ein Teil seiner Familie lebt. Der französische Innenminister Gérad Collomb erklärte jetzt, von dort aus sei Abedi wahrscheinlich weiter nach Syrien gereist.  „Wir wissen heute nur das, was die britischen Ermittler uns mitgeteilt haben“, sagte Collomb am Mittwoch dem Sender BFMTV. Der Brite sei libyscher Herkunft, aber in Großbritannien aufgewachsen und habe sich „plötzlich nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien radikalisiert und hat entschieden, diesen Anschlag zu begehen“

          Zuvor war bestätigt worden, dass Abedi dem britischen Geheimdienst bekannt war. Das erklärte die britische Innenministerin Amber Rudd dem Nachrichtensender Sky News. Amber Rudd erklärte zudem der BBC, der Täter habe nicht allein gehandelt.

          Bild: google earth

          Nach dem Selbstmordanschlag in Manchester mit 23 Toten (einer davon der Attentäter selbst) hatte die Polizei am Dienstagabend den 22-jährigen Abedi als Verdächtigen identifiziert. Zuvor war der Name des Attentäters zuerst in amerikanischen Medien aufgetaucht. Die britische Innenministerin kritisierte die Weitergabe interner Erkenntnisse bei den zuständigen Stellen in Amerika. „Ich habe unseren Freunden gegenüber sehr klar gemacht, dass so etwas nicht mehr passieren darf“, sagte Rudd.

          Örtlichen Medien zufolge ist er ein britischer Staatsbürger libyscher Herkunft. Verschiedene Zeitungen berichten, Abedi sei 1994 in Manchester geboren. Seine Eltern seien zuvor vor Libyens früherem Machthaber Muammar al-Gaddafi nach Großbritannien geflohen. Abedi war demnach das zweite oder dritte von vier Kindern und hatte sein Wirtschaftsstudium an der Manchester Salford Universität abgebrochen.

          Ein angeblicher Bekannter beschreibt ihn als zurückhaltend. „Das war ein sehr zurückhaltender junger Mann, er war mir gegenüber immer sehr respektvoll", sagte ein Libyer in Manchester dem „Guardian“. Ein Freund aus der Kindheit umschrieb Abedi als unauffällig und als Fußball-Fan.

          Die Familie verkehrte in einer örtlichen Moschee

          Salmans Bruder Ismael sei hingegen „kontaktfreudig“ gewesen. Der Zeitung zufolge besuchten die Brüder und der Vater regelmäßig eine örtliche Moschee, die Didsbury Moschee. Der Vater – Abu Ismail innerhalb der Moscheegemeinde genannt – sei in der libyschen Gemeinde von Manchester sehr bekannt gewesen, aber habe eher als politisch moderat gegolten. Er halte sich derzeit aber in Tripolis auf. Seine Frau sei hingegen noch in Manchester.

          Ob Abedi selbst in die Moschee ging, ist noch nicht bekannt. Der „Guardian“ zitiert allerdings ein Mitglied der Moscheegemeinde, das „Hass in den Augen“ Abedis gesehen haben will, als er den IS kritisiert haben soll. Das sind aber bislang nur erste Indizien auf der Spurensuche nach einer möglichen Radikalisierung im islamistischen Milieu Manchesters und der dortigen libyschen Gemeinde.

          Über 20 Tote : IS reklamiert Manchester-Anschlag für sich

          Im Zusammenhang mit dem Anschlag ist im Süden Manchesters am Dienstag ein 23-Jähriger festgenommen worden. Im Haus des Attentäters gab es eine Razzia schwerbewaffneter Polizisten. Um sich Zugang zu verschaffen, nahmen die Beamten eine kontrollierte Sprengung vor. Überdies wurde die Wohnung von Abedis Bruder durchsucht.

          Weitere Themen

          Massenproteste in Belarus Video-Seite öffnen

          Sechs Wochen in Folge : Massenproteste in Belarus

          Über 100.000 Menschen marschierten am Sonntag erneut durch die Straßen der Stadt und forderten den Rücktritt des Präsidenten Alexander Lukaschenko, der das Land seit 26 Jahren regiert.

          Topmeldungen

          Jens Spahn in Bochum: Eine studentische Assistentin misst die Temperatur des Gesundheitsministers.

          Fieberambulanzen : Spahns Corona-Strategie für die kalte Jahreszeit

          Die Infektionszahlen steigen, zur kälteren Jahreszeit könnte sich dieser Trend noch verschärfen. Gesundheitsminister Jens Spahn will mit zentralen Anlaufstellen für Menschen mit Grippesymptomen reagieren. Er sieht Deutschland gut gewappnet im Kampf gegen das Virus.
          Wolken über den Doppeltürmen der Deutschen Bank in Frankfurt

          „Fincen-Files“ : Bankaktien geraten unter Druck

          Die Enthüllungen namens „Fincen-Files“ über fragwürdige Geschäfte mit hochriskanten Kunden verunsichern die Anleger: Der Kurs der Deutschen-Bank-Aktien fällt um 6 Prozent und der von HSBC auf ein 25-Jahres-Tief.

          Deutsche Emmy-Gewinnerin : Sie weiß, was sie will

          Maria Schrader wurde als erste deutsche Regisseurin überhaupt bei den Emmy Awards ausgezeichnet. Dabei ist sie doch eigentlich Schauspielerin. Wie hat sie das geschafft? Unsere Autorin hat sie wenige Tage vor der Verleihung getroffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.