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Anschlag in London : May und Corbyn unterbrechen Wahlkampf

  • Aktualisiert am

Nach der nächtlichen Terrorattacke in London: Polizei und Rettungskräfte am Tatort Borough Market. Bild: Reuters

Der jüngste Anschlag in London erschüttert Großbritannien wenige Tage vor der Unterhauswahl am 8. Juni. Die konservative Partei von Premierministerin May reagiert sofort. Labour und ihr Vorsitzender Corbyn ziehen nach. Eine Partei jedoch weigert sich.

          Die konservative Regierungspartei von Premierministerin Theresa May unterbricht nach dem Anschlag in London ihren Wahlkampf. Für Sonntag seien alle Termine abgesagt worden, teilte ein Sprecher der Tories mit. Über das weitere Vorgehen werde im Laufe des Tages entschieden, wenn weitere Einzelheiten zu dem Anschlag bekannt seien.

          Bei dem Anschlag im Zentrum der britischen Hauptstadt waren am Samstagabend mindestens sieben Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt worden. Die Polizei erschoss die drei Angreifer. May erklärte, die Tat werde als „möglicher Terrorakt“ behandelt. Sie berief für Sonntag eine Krisensitzung ihres Kabinetts ein.

          An diesem Donnerstag findet in Großbritannien eine vorgezogene Parlamentswahl statt. Die Tories und die oppositionelle Labour-Partei hatten ihren Wahlkampf bereits Ende Mai nach dem Anschlag auf ein Popkonzert in Manchester für zwei Tage unterbrochen.

          Auch Labour-Chef Jeremy Corbyn kündigte an, dass seine Partei nach Beratungen mit den anderen Parteien den Wahlkampf  bis zum Sonntagabend unterbrechen werde. „Diejenigen, die unsere Bürger verletzen, unsere Gemeinschaften spalten und unsere Demokratie angreifen wollen, werden keinen Erfolg haben. Wir werden zusammen stehen, um unsere gemeinsamen Werte von Solidarität, Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu verteidigen, und wir werden Terroristen nicht erlauben, uns von unserem demokratischen Kurs abzubringen.“ 

          Auch die oppositionellen Liberaldemokraten unterbrachen ihren Wahlkampf nach dem Anschlag. Dagegen will die rechtspopulistische Unabhängigkeitspartei Ukip ihren Wahlkampf fortsetzen. In den jüngsten Umfragen stürzte die Partei, die treibende Kraft in der erfolgreichen Brexit-Kampagne war, von mehr als zwölf Prozent in der letzten Unterhauswahl auf vier bis fünf Prozent ab.

          Noch ist nicht klar, wie sich die jüngste Terrorattacke auf das zuletzt knapper gewordene Rennen zwischen der konservativen Regierungspartei und der Opposition von Labour auswirkt. Nach dem Anschlag von Manchester war das Thema Sicherheit und die Rolle Großbritanniens im Kampf gegen die Terrormiliz IS zunehmend in den Fokus des Wahlkampfs gerückt. Der Labour-Vorsitzende Corbyn hatte zuletzt einen Zusammenhang zwischen einer in Großbritannien entstandenen islamistischen Terrorismusszene und der Beteiligung des Landes an Kriegen in Afghanistan, Syrien und Irak  gezogen. Premierministerin May hatte ihn deshalb beschuldigt, Verständnis für die Motive von Terroristen zu zeigen. 

          Londons Bürgermeister Sadiq Khan lehnte eine Verschiebung der Wahl am 8. Juni. In den sozialen Netzwerken war nach der jüngsten Terrorattacke der Ruf nach einer Verschiebung laut geworden. Am Donnerstag sollten die Briten wie geplant zur Wahl gehen, betonte Khan. So könnten sie zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen. „Eines der Dinge, die diese Terroristen hassen, sind Wahlen. Sie hassen Demokratie.“ Es habe sich um einen feigen Angriff auf unschuldige Bürger und Besucher gehandelt, die London an einem Samstagabend genießen wollten. Die Terrorwarnstufe bleibe auf dem Niveau, bei dem von einer hohen Wahrscheinlichkeit von Anschlägen ausgegangen wird.

          Inmitten der neuen Terrorkrise verringerte sich der Vorsprung der Konservativen in den Umfragen weiter. Nach einer am Sonntag veröffentlichten Erhebung für die Zeitung „Mail on Sunday“ liegen die Tories mit 40 Prozent der Stimmen nur noch einen Punkt vor der oppositionellen Labour-Partei mit 39 Prozent.

          Parlamentswahl Großbritannien

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