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Anschlag in Libyen : Die Handschrift von Dschihadisten

  • -Aktualisiert am

Anders als die Proteste unbewaffneter Demonstranten in Kairo fand der Angriff von Benghasi nicht am helllichten Tag statt, sondern im Schutze der Dunkelheit. Gegen 22 Uhr Ortszeit traf die erste Angriffswelle von bis zu 50 schwerbewaffneten Islamisten das amerikanische Konsulat in einem Wohngebiet von Benghasi. Augenzeugen sahen bei den Angreifern, die lange Bärte trugen und mit Pritschenwagen fuhren, Schnellfeuerwaffen, Maschinengewehre und Panzerabwehrraketen, aber keine Transparente oder Plakate, wie sie Demonstranten mit sich zu führen pflegen. In weniger als 15 Minuten waren die libyschen Sicherheitskräfte, die das Gelände des Konsulats schützen sollten, erschossen, überrollt, in die Flucht geschlagen. Die Angreifer drangen auf das Gelände vor, setzten das Hauptgebäude in Brand. Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen sich etwa zwei Dutzend Menschen auf dem Gelände befunden haben, den meisten gelang die Flucht. In dem brennenden Hauptgebäude befanden sich Botschafter Stevens, der Informatiker Sean Smith und ein Sicherheitsbeamter des Außenministeriums. In dem Chaos wurden die drei Männer getrennt, Stevens floh offenbar auf das Dach. Der Sicherheitsbeamte konnte aus dem Gebäude entkommen und kehrte kurz darauf mit einem weiteren Sicherheitsmann in das brennende Hauptgebäude zurück, wo sie Smith nur noch tot bergen konnten.

Tief betroffen: Präsident Obama und Außenministerin Clinton sprechen am Mittwoch zu den Mitarbeitern des Außenministeriums.

Ein Versuch der amerikanischen Sicherheitsleute, das Gelände wieder unter Kontrolle zu bringen, scheiterte gegen 22.30 Uhr. Die kleine Sicherheitsmannschaft und das verbleibende Personal verschanzten sich in einem Nebengebäude, wo sie gut zwei Stunden lang beschossen wurden. Dabei kamen zwei weitere Amerikaner - vermutlich Sicherheitsleute - ums Leben, drei weitere wurden verletzt. Die Angreifer konnten erst nach zwei Uhr morgens vertrieben werden, nachdem Einheiten der libyschen Polizei den Eingeschlossenen zu Hilfe gekommen waren.

Was mit Botschafter Stevens geschah, wie er zu Tode kam und wer ihn schwer verletzt oder schon leblos ins Krankenhaus von Benghasi brachte, ist unklar. Jedenfalls soll Stevens dort gegen ein Uhr nachts eingetroffen sein, die Ärzte konnten ihn nicht wiederbeleben, als Todesursache wurde Rauchvergiftung genannt. Auf einem Foto scheint Stevens zu sehen zu sein, wie er von Unbekannten offenbar aus dem Konsulat geschleppt wird, sein Gesicht ist rußverschmiert, man erkennt aber auch eine Wunde am Kopf. Erst eine Autopsie wird Klarheit bringen können. Inzwischen wurden die sterblichen Überreste der vier getöteten Amerikaner über das rheinland-pfälzische Ramstein in die Vereinigten Staaten geflogen, die Verletzten werden im amerikanischen Militärhospital in Landstuhl behandelt.

Im Wahlkampf angekommen

Der republikanische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus Mike Rogers sagte in der Nacht zum Donnerstag in Washington, das Konsulat in Benghasi sei „bei einem genau koordinierten Angriff mit schweren Waffen“ überrannt worden. Es gebe zahlreiche Indizien, dass der Angriff von langer Hand geplant gewesen sei. Die Republikaner in beiden Kammern des Kongresses wollen möglichst bald bei Anhörungen die Hintergründe der Vorfälle aufklären - schließlich könnte es sich um einen der schwersten Terrorangriffe seit „9/11“ handeln.

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