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Anschlag beim Freitagsgebet : Mehr als 50 Tote bei Explosion in Moschee in Kundus

  • Aktualisiert am

Afghanische Männer knien im September 2021 vor einer Moschee in Kundus. Bild: dpa

Bei einer Explosion in einer schiitischen Moschee sind am Freitag im Nordosten Afghanistans dutzende Menschen getötet worden. Die Taliban sprechen von einem Anschlag. Ein IS-Ableger reklamiert die Tat für sich.

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          Bei einer Explosion in einer schiitischen Moschee sind am Freitag im Nordosten Afghanistans dutzende Menschen getötet worden. In Krankenhauskreisen war von mindestens 55 Toten und 140 Verletzten die Rede. Die Explosion in dem schiitischen Gotteshaus ereignete sich in Kundus während des Freitagsgebets.

          Ein Arzt des zentralen Krankenhauses von Kundus sprach von 35 Toten, ein Mitarbeiter eines anderen Krankenhauses der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) meldete 15 Tote.

          Die Explosion habe sich im Bezirk Chan Abad ereignet, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Er bezeichnete die Getöteten als „Märtyrer“. Ein örtlicher Taliban-Vertreter, Matiullah Rohani von der Regionalregierung, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe.

          Der regionale Ableger des Islamischen Staat (IS) in Afghanistan reklamierte den Anschlag für sich. Ein IS-Angreifer habe in der Menge der Gläubigen seine Sprengstoffweste gezündet, erklärte die Extremistengruppe im Messengerdienst Telegram.

          Die IS-Miliz hatte nach eigenen Angaben auch den Anschlag auf eine Moschee am Sonntag in Kabul verübt, bei dem fünf Menschen getötet wurden. Unter den Opfern waren sowohl Zivilisten als auch Mitglieder der radikalislamischen Taliban. Der Anschlag ereignete sich während einer Trauerfeier für die kürzlich gestorbene Mutter von Taliban-Sprecher Mudschahid.

          Der regionale IS-Ableger und die Taliban bekämpfen sich, obwohl es sich bei beiden Gruppen um radikale sunnitische Milizen handelt. Am 26. August hatte ein Selbstmordattentäter des Ablegers IS-K am Flughafen von Kabul während der Evakuierungsmission der internationalen Truppen mindestens 72 Menschen getötet und mehr als 150 weitere verletzt. Unter den Toten waren auch 13 US-Soldaten.

          Die Stadt Kundus war rund ein Jahrzehnt lang ein wichtiger Stützpunkt der Bundeswehr in Afghanistan. Nach dem Rückzug der internationalen Truppen übernahmen die radikalislamischen Taliban auch in Kundus rasch wieder die Macht.

          Zusage für Ortskräfte

          Unterdessen wurde bekannt, dass die Bundesregierung bislang mehr als 15.000 Ortskräften und Angehörigen aus Afghanistan eine Zusage für eine Aufnahme in Deutschland gegeben hat. Die Ortskräfte, für die sich das Auswärtige Amt zuständig erachtet, sind dabei allerdings noch nicht mitgezählt. Dort dauert die Zusammenstellung und Übermittlung der Daten länger.

          Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurden aus dem Kreis der anderen betroffenen Ressorts – Verteidigungsministerium, Innenministerium und Entwicklungsministerium – seit Mitte Mai rund 3300 Ortskräfte und etwa 11.600 Familienangehörige, die nach Deutschland kommen wollen und dürfen, gemeldet. Hinzu kommen rund 2600 Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und andere besonders schutzbedürftige Menschen aus Afghanistan mit ihren Kindern und Partnern.

          Das Auswärtige Amt hatte am Donnerstag über einen Charterflug berichtet, mit dem weitere 217 Afghaninnen und Afghanen nach Deutschland gebracht werden sollten. 20 von ihnen sollten in andere EU-Staaten weiterreisen.

          UN befürchten neue Flüchtlingswelle

          Der UN-Flüchtlingshochkommissar, Filippo Grandi warnte am Freitag vor einer dramatischen Verschlechterung der Lage in Afghanistan, wenn nicht genug Geld zur Versorgung der Bevölkerung bereitgestellt werde. Es drohe eine noch viel größere humanitäre Katastrophe, wenn die internationale Gemeinschaft es zulasse, dass Afghanistans Gesundheitswesen, die Banken und die Wirtschaft zusammenbrechen, sagte Grandi in Genf.

          „Ich rechne mit massiven Bevölkerungsbewegungen, wenn die Menschen keine medizinische Versorgung und kein Wasser haben“, sagte Grandi. „Sie werden weiterziehen, vielleicht auch über die Grenzen hinaus.“

          Bei einer Afghanistan-Konferenz waren im September in Genf zwar Mittel im Umfang von mehr als einer Milliarde Euro für Afghanistan zugesagt worden. Es seien aber erst 35 Prozent davon eingezahlt worden, sagte Grandi, der das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR leitet. Ein UNHCR-Spendenaufruf zur Unterstützung von Afghanistans Nachbarländern sei erst zu 18 Prozent finanziert.

          Nach Angaben von Grandi sind in den kommenden fünf Jahren 85.000 Aufnahmeplätze für Afghanen nötig, die zur Zeit in den Nachbarländern ausharren. Die Hälfte davon sollte die Europäische Gemeinschaft aufnehmen, sagte er. Solche Plätze werden für besonders bedürftige Menschen gesucht, die aller Voraussicht nach nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können.

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