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Anschlag in Istanbul : Im Labyrinth der Gewalt

Der IS hat den Terroranschlag für sich reklamiert und ihn in einer im Internet verbreiteten Erklärung ausdrücklich als eine Aktion gegen Christen bezeichnet: „In Fortsetzung der gesegneten Operationen des Islamischen Staates gegen die Beschützerin des Kreuzes, die Türkei, hat einer der heldenhaften Soldaten des Kalifats gegen den Nachtclub zugeschlagen, wo die Nazarener (Christen) ihr polytheistisches Fest feiern. Er hat sie mit Handgranaten und seiner automatischen Waffe angegriffen und ihre Feier in Trauer umgewandelt“, hieß es in einer der Terrorbande zugeschriebenen Erklärung.

Massenmörder: Eine Videoaufzeichnung zeigt den Attentäter von Istanbul. Der Mann wechselte vermutlich seine Kleidung und konnte den Club verlassen.
Massenmörder: Eine Videoaufzeichnung zeigt den Attentäter von Istanbul. Der Mann wechselte vermutlich seine Kleidung und konnte den Club verlassen. : Bild: AFP

Mehrere Deutsche unter den Opfern

Abu Bakr al Bagdadi, der Führer der Terrorgruppe, hatte seine Anhänger in den vergangenen Monaten mehrfach dazu aufgerufen, Terrorakte in der Türkei zu begehen, als Vergeltung für die türkische militärische Intervention in Syrien, die sich zwar in erster Linie gegen die syrischen Kurden richtet, aber eben partiell auch gegen den IS.

Mindestens 39 Personen wurden bei dem Neujahrsmassaker im „Reina“ erschossen, doch da sich unter den etwa 70 Verletzten auch schwer verwundete Personen befanden, ist die Gefahr groß, dass die endgültige Zahl der Todesopfer in den kommenden Tagen noch steigen wird. Zwei der Todesopfer kamen aus Deutschland, aus Bayern, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin bestätigte; einer mit deutscher, einer türkischer Staatsangehörigkeit. Drei weitere Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit wurden demnach bei dem Anschlag verletzt, seien aber in guter medizinischer Behandlung und außer Lebensgefahr, hieß es aus der gleichen Quelle.

Auch in Istanbul falsche Verdächtigungen

Wer der oder die Täter waren, stand am Montag nicht einwandfrei fest. Die türkische Polizei meldete die Festnahme von acht Verdächtigen, doch war nicht klar, in welchem Zusammenhang die Verhafteten zum Tathergang stehen sollen. Laut ersten, unbestätigten Berichten hatte es geheißen, der Mordschütze stammte „aus Usbekistan oder Kirgistan“, später war in türkischen Medien auch von der benachbarten chinesischen Provinz Xinjiang die Rede, wo viele Uiguren leben.

Ähnlich wie in Berlin, wo anfänglich ein Pakistaner fälschlich verdächtigt wurde, kam es offenbar auch in der Türkei zu einem falschen Verdacht. Ein junger Mann aus Kasachstan, dessen Bild in sozialen Medien als das des Täters kursierte, meldete sich am Montag in Begleitung eines Anwalts bei der Polizei und legte Beschwerde gegen die für ihn potentiell lebensgefährlichen falschen Verdächtigungen ein, wurde am Montag berichtet.

Täter konnte mit der Waffe umgehen

Zum Ablauf der Tat wurde bekannt, dass der Täter offenbar in dem Stadtteil Zeytinburnu ein Taxi bestiegen hat und damit bis fast vor den Nachtclub im Ausgehviertel Ortaköy gefahren ist. Die letzten paar hundert Meter sei er dann jedoch zu Fuß gegangen. Die Sicherheitskameras zeigen die ersten Bilder von dem Angriff um etwa viertel nach eins: Der Mörder erschießt das Wachpersonal vor dem Club, in dem etwa 800 Menschen, Gäste und Personal, noch nichts ahnten.

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