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Anschlag in Istanbul : Rätselraten über die Täter

Die Polizei hat mit Razzien offenbar größere Anschläge verhindern können Bild: REUTERS

Militante Kurden, Al Qaida oder Linksextremisten? Einen Tag nach dem Bombenanschlag mit mehreren Toten in Istanbul wird weiter über die üblichen Verdächtigen spekuliert. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK wies angeblich erste Berichte zurück, sie stecke hinter den Attentaten.

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          Wie nach jedem Anschlag hat in Istanbul sofort das Rätselraten über die Täter begonnen. Aber auch am Montag bezichtigte sich keine Terrorgruppe der Anschläge am Sonntagabend. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK wies angeblich erste Presseberichte zurück, sie stecke hinter den Attentaten. Das meldete die Zeitung „Milliyet“ am Montag.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          So wurde in Istanbul am Montag weiter über die üblichen Verdächtigen spekuliert, die gewöhnlich genannt werden. Dazu zählen militante Kurden, Al Qaida und Linksextremisten, die alle in der Vergangenheit in Istanbul immer wieder Anschläge verübt hatten. Zuletzt waren es offenbar Islamisten, die versuchten das amerikanische Generalkonsulat in Istanbul anzugreifen. Bei einem Feuergefecht wurden drei türkische Polizisten und drei Angreifer getötet. Mindestens zwei der drei erschossenen Angreifer sollen nach Presseberichten in Trainingslagern von Al Qaida in Afghanistan ausgebildet worden sein. (Siehe auch: Tote bei Schießerei vor amerikanischem Konsulat in Istanbul)

          Beispiellose Anschlagsserie im November 2003

          Aus Angst vor Anschlägen waren in Istanbul die Sicherheitsvorkehrungen aber schon vor mehreren Jahren verstärkt worden. Der Polizei war es durch Razzien mit zahlreichen Festnahmen offenbar gelungen, größere Anschläge zu verhindern. Es war aber besonders die beispiellose Anschlagsserie im November 2003, die die Sicherheitskräfte zu einem harten Durchgreifen veranlasste. Damals griffen Terroristen erst zwei Synagogen und dann ausländische Einrichtungen an: Sie verübten Autobombenanschläge auf das britische Generalkonsulat und die britische HSBC-Bank; mehr als 60 Menschen wurden damals getötet. Hinter der Tat steckte Al Qaida, die mit türkischen Islamisten zusammenarbeitete. Dazu zählte die islamistische Stadtguerrilla IBDA-C, die schon um das Jahr 2000 in Istanbul Anschläge aus Anlass des neuen Millenniums sowie auf einen bekannten jüdischen Unternehmer geplant hatte; auch auf Erdogan soll es die Gruppe abgesehen haben.

          Mindestens zwei der Selbstmordattentäter vom November 2003 sollen zudem der türkischen Hizbullah angehören, die in den achtziger Jahren im kurdischen Südosten entstanden war und angeblich Tausende Mitglieder hat. In Istanbul verübten aber auch säkulare kurdische Separatisten in der Vergangenheit mehrere Anschläge, zum Beispiel am 31. März 2006 auf einen Bus. Eines Selbstmordanschlags vor dem deutschen Generalkonsulat in Istanbul am 10. September 2001 mit zwei Toten bezichtigte sich die linksextreme Stadtguerrilla-Organisation „Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front“ (DHKP-C). Im Juni 2004 zündete die Gruppe einen Anschlag in einem Bus; vier Menschen kamen um.

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