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Anschlag in der Türkei : Terror als Vergeltung

Wieder erschüttert ein brutaler Anschlag die Türkei: Der Istanbuler Flughafen am Mittwochmorgen Bild: dpa

Dass wieder ein brutaler Terroranschlag die Türkei erschüttert hat, hat Ankara vor allem seiner kurzsichtigen Politik in Syrien zu verdanken: Erst sie hat den „Islamischen Staat“ in der Türkei zu diesem Ungeheuer werden lassen.

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          Es war der vierte Terroranschlag in Istanbul in diesem Jahr, zwei Mal haben Terroristen in der Hauptstadt Ankara zugeschlagen. Der Rhythmus der Anschläge beschleunigt sich beängstigend. Jedes Mal werden symbolisch wichtige Orte getroffen: das Regierungsviertel in Ankara und in Istanbul touristische Attraktionen. Der Istanbuler Flughafen, der drittgrößte in Europa, ist das Tor der Türkei zur Welt.  

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Wenn die Botschaft der Terroristen ist, dass sich in der Türkei niemand mehr sicher fühlen darf, muss die Antwort der Staatengemeinschaft darauf lauten, dass sie den Terror entschieden und geschlossen bekämpft. Denn der türkische Präsident Erdogan hat Recht, wenn er sagt, dass der Terror nicht mehr zwischen Istanbul und London, zwischen Ankara und Berlin unterscheidet.

          Auch der Terror am Istanbuler Flughafen war hinterhältig und richtete sich wahllos gegen Zivilisten. Die Terroristen vom „Islamischen Staat“ wählten sich die letzten Tage des Fastenmonats Ramadan, wenn traditionell viele Muslime, die tagsüber fasten, nachts reisen, um rechtzeitig zum Zuckerfest bei ihren Familien zu sein. Diese Istanbuler Terrornacht hat sich gezielt gegen Muslime gerichtet.

          Der Rhythmus der Anschläge in der Türkei beschleunigt sich beängstigend

          Einige Terroranschläge sind von der kurdischen Terrorgruppe „Freiheitsfalken Kurdistans“ verübt worden, dieser Terror aber geht auf das Konto des IS. Die Türkei wird ihren Kampf gegen diese Terroristen, die sich auf den Islam berufen, aber Muslime im Visier haben, rasch intensivieren. Zu hoffen ist, dass die Terrornacht die Türkei, deren Gesellschaft gespalten ist wie selten in der Geschichte der Republik, wieder eint.

          Kurzsichtige türkische Politik in Syrien

          Damit dieser Kampf zum Erfolg führt, wird die Türkei ihre Politik überdenken müssen. Vor zwei Jahren noch war die Türkei vor Terror verschont. Erst eine kurzsichtige Politik in Syrien, wo dem türkischen Präsidenten Erdogan jedes Mittel zum Sturz des syrischen Machthabers Assad Recht war, hat den IS im Nachbarland Türkei zu diesem Ungeheuer werden lassen. Mehrere tausend Zellen sollen sich in der Türkei eingenistet haben.

          Ebenso hat ein Krieg gegen die Kurden im Südosten des Landes, in dem ganze Städte zerstört und Zivilisten getötet werden, für kurdische Terroristen ein fruchtbares Umfeld geschaffen. Der Terror von heute ist die Folge dieser falschen Politik.

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