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Anschlag auf Salman Rushdie : Die Verantwortung Irans

  • -Aktualisiert am

Salman Rushdie im Oktober 2017 Bild: dpa

Dass Iran Salman Rushdie selbst für den Anschlag auf sein Leben verantwortlich macht, ist eine Verdrehung der Tatsachen. In Gefahr geriet er überhaupt erst wegen einer Fatwa aus Teheran.

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          Die iranische Führung beteuert, dass sie nicht in den Mordversuch an Salman Rushdie verstrickt sei. Das kann sein, auch wenn man die amerikanischen Ermittlungen abwarten sollte.

          Dass sie aber dem Schriftsteller selbst die Verantwortung für den Anschlag auf sein Leben zuweist, ist eine Verdrehung der Tatsachen. Rushdie schwebt seit dreißig Jahren in Gefahr, weil 1989 der damalige Revolutionsführer Ajatollah Chomeini zu seiner Tötung aufgerufen hat.

          Bis heute hat sein Nachfolger die Gültigkeit dieser Fatwa nicht bestritten. Die geistigen Urheber von Rushdies Verfolgung sitzen in Teheran, sie haben den „Volkszorn“ überhaupt erst geschürt, den der Sprecher des iranischen Außenministeriums jetzt als Rechtfertigung für die Tat anführt. Selbst im Dementi offenbart die „Islamische Republik“ damit wieder ihren theokratischen und antiaufklärerischen Charakter.

          Kein verlässlicher Partner

          Das sollte man nicht vergessen, wenn es um die Zukunft des Atomabkommens geht. Europa und die Vereinigten Staaten haben ein Interesse daran, eine nukleare Bewaffnung des Landes zu verhindern.

          Aber ein verlässlicher politischer Partner würde Iran mit einer Wiederbelebung des Abkommens noch lange nicht, schon gar nicht im Nahen Osten. Iran bleibt ein machtpolitischer und weltanschaulicher Widersacher des Westens, zunehmend gestützt von Russland und China.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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