https://www.faz.net/-gpf-92v8e

Daphne Caruana Galizia : Malta erschüttert über tödlichen Anschlag auf Journalistin

  • Aktualisiert am

Wie hier in St. Julian’s gedachten Menschen an vielen Orten auf Malta der bei einem Anschlag getöteten Journalistin Daphne Caruana Galizia Bild: Reuters

Der Autobombenanschlag auf eine regierungskritische Journalistin erschüttert Malta. Daphne Caruana Galizia hatte im Zuge der „Panama Papers“ Korruptionsvorwürfe gegen Vertraute von Regierungschef Muscat erhoben.

          2 Min.

          Nach dem Autobombenanschlag auf die regierungskritische Journalistin und Bloggerin Daphne Caruana Galizia auf Malta haben mehrere tausend Menschen an Mahnwachen teilgenommen. In der Stadt Sliema im Nordosten der Mittelmeerinsel hielten die Teilnehmer einer Mahnwache am Montagabend Kerzen in den Händen, sie legten Blumen und Beileidsbekundungen nieder. „Wenn die Menschen ihre Regierung fürchten, ist das Tyrannei, wenn die Regierung die Menschen fürchtet, ist das Freiheit“, war auf einem Schild zu lesen, das mit Blumen und Kerzen am Straßenrand hinterlassen wurde.

          Die 53 Jahre alte Caruana Galizia war am Montag durch eine Autobombe getötet worden. Der Sprengsatz riss ihr Auto in Stücke, die Journalistin wurde Augenzeugenberichten zufolge auf ein nahegelegenes Feld geschleudert. Sie hinterlässt einen Ehemann und drei Söhne.

          Caruana Galizia hatte mehrfach Korruptionsvorwürfe gegen Vertraute von Regierungschef Joseph Muscat erhoben und mit ihren Berichten erreicht, dass Muscat wegen der Vorwürfe im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ vorgezogene Neuwahlen ansetzte. Aus der vorgezogenen Parlamentswahl im Juni ging Muscats Arbeiterpartei trotz der Korruptionsvorwürfe als Siegerin hervor.

          Muscat sprach nach dem Attentat auf die Journalistin von einer „barbarischen“ Tat und einem „schwarzen Tag für unsere Demokratie und unsere Meinungsfreiheit“. Der Mitte-Links-Politiker wies die Sicherheitskräfte an, die Täter zu finden und vor Gericht zu bringen. Jeder wisse, dass Caruana Galizia eine scharfe Kritikerin von ihm gewesen sei, doch könne niemand einen solch „barbarischen“ Akt rechtfertigen.

          Dem staatlichen TV-Sender TVM zufolge hatte sich Caruana Galizia vor zwei Wochen an die Polizei gewandt, weil sie Morddrohungen erhalten habe. Über die Grenzen Maltas hinaus hatte Caruana Galizia mit Berichten für Aufsehen gesorgt, dass eine in den Panama Papers erwähnte Firma der Frau von Regierungschef Muscat gehöre. Muscat hatte diese Darstellung als Lüge bezeichnet.

          Erzbischof von Malta ermutigt Journalisten

          Der Erzbischof von Malta Charles Scicluna reagierte mit Abscheu auf den tödlichen Anschlag. In seiner Verurteilung der Tat schrieb er, diese stärke die Entschlossenheit, die Verteidigung der Demokratie bis zum letzten Ende fortzusetzen. Scicluna, der lange Jahre als Strafverfolger im Vatikan arbeitete, appellierte an die Malteser, „die Würde eines jeden“ zu schützen. Der Kampf für Demokratie müsse „von Worten zu Taten fortschreiten“. Zugleich betonte er seinen Rückhalt für Journalisten. Er ermutigte sie, „die Wahrheit zu verteidigen, niemanden zu fürchten und den Menschen und der Demokratie zu dienen“.

          Auch EU-Politiker reagierten mit Entsetzen auf den Anschlag. „Brutaler Mord an Daphne Caruana Galizia: tragisches Beispiel einer Journalistin, die ihr Leben geopfert hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen“, twitterte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani. „Ich bin tief schockiert über den Tod von Daphne Caruana Galizia“, sagte Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen/EFA-Fraktion im EU-Parlament, laut einer Mitteilung.

          Caruana Galizia war Zeugin des Untersuchungsausschusses zu Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Sie habe „eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung schwerwiegender Vorwürfe zu Geldwäsche und Korruption in Malta, einschließlich Anschuldigungen gegen hochrangige Mitglieder der maltesischen Regierung“ gespielt, sagte Giegold und fügte hinzu: „Solche Vorfälle erinnern an Putins Russland, nicht an die Europäische Union.“

          Weitere Themen

          Ende mit Minimalbeschlüssen Video-Seite öffnen

          Klimagipfel in Madrid : Ende mit Minimalbeschlüssen

          Die UN-Klimakonferenz in Madrid ist nur mit Minimalbeschlüssen zuende gegangen. Die Delegierten aus fast 200 Ländern verständigten sich lediglich darauf, dass es eine Notwendigkeit gebe, die nationalen Klimaschutzziele anzuheben.

          Mörder statt Helden?

          Verdächtige Ukraine-Veteranen : Mörder statt Helden?

          Der ungeklärte Mord an dem bekannten Journalisten Pawel Scheremet in Kiew bewegt die Ukraine seit drei Jahren. Nun gibt es fünf Verdächtige – sie sind allesamt Veteranen.

          Topmeldungen

          Bildungsministerin Karliczek : Die Unterfliegerin

          Bildungsministerin Anja Karliczek gilt als ungeschickt, die Länder wollen sie in der Debatte um Bildungszusammenarbeit sogar ausbooten. Sie macht trotzdem weiter. Ein Porträt.
          Andrij Antonenko gilt als der Organisator der Gruppe, die den Mord an Scheremet geplant haben soll.

          Verdächtige Ukraine-Veteranen : Mörder statt Helden?

          Der ungeklärte Mord an dem bekannten Journalisten Pawel Scheremet in Kiew bewegt die Ukraine seit drei Jahren. Nun gibt es fünf Verdächtige – sie sind allesamt Veteranen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.