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Autobombe explodiert : Verletzte nach Anschlag auf kolumbianische Militärbasis

Soldaten sichern eine Straße in der Nähe der Ortes, wo die Bombe explodierte. Bild: Reuters

Das Verteidigungsministerium vermutet die ELN-Guerilla hinter dem Anschlag auf eine Militärbasis an der Grenze zu Venezuela. Der Angriff trifft Kolumbien in einem schwierigen Moment.

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          Bei einem Bombenanschlag auf eine Militärbasis in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta sind am Dienstag laut dem Verteidigungsministerium 36 Personen verletzt worden, drei davon schwer. Augenzeugen berichteten von zwei Detonationen auf dem Gelände der 30. Heeresbrigade, die etwas außerhalb der Stadt liegt. Verteidigungsminister Diego Molano bestätigte am Dienstagabend, dass es sich um die Explosion einer Autobombe handelte. Wie das Fahrzeug es auf das Gelände schaffte, ist Gegenstand von Ermittlungen.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Bisher hat sich niemand zum Anschlag bekannt. Der Hauptverdacht der Behörden richtet sich gegen die „Nationale Befreiungsarmee“ (ELN). Nicht ausgeschlossen wird auch die Hypothese, dass weiterhin aktive Zellen der früheren „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) hinter dem Anschlag stecken. Die marxistische ELN hat rund 2300 Kämpfer und ein großes Netzwerk an Unterstützern.  Im Gegensatz zu den deutlich größeren FARC hat sie dem bewaffneten Kampf nicht abgeschworen.

          Die Stadt Cúcuta liegt an der Grenze zu Venezuela, im Departement Norte de Santander. Die Militärbasis gilt wegen ihrer Lage als sehr wichtig. Zudem sind dort auch regelmäßig Berater der US-Armee stationiert. In der Grenzregion zwischen Kolumbien und Venezuela sind verschiedene bewaffnete Gruppen aktiv, darunter neben der ELN und den FARC-Zellen auch paramilitärische Gruppen und andere Verbrecherorganisationen.

          Militärbasis nahe Koka-Anbaugebieten

          Die Region ist als eines der wichtigsten Anbaugebiete für Koka bekannt, das zur Produktion von Kokain verwendet wird. Der Kampf um die territoriale Kontrolle und Kontrolle des Drogenhandels und anderer illegaler Aktivitäten ist die treibende Kraft hinter einem weiterhin anhaltenden gewaltsamen Konflikt in mehreren Regionen Kolumbiens. Mehrere Gruppen operieren inzwischen auch auf venezolanischem Territorium. In den vergangenen Wochen kam es weiter südlich zu Zusammenstößen zwischen weiterhin aktiven FARC-Zellen und der venezolanischen Armee. 

          Wenngleich auch nach dem Friedensvertrag zwischen Kolumbien und den FARC im Jahr 2016 in einigen Regionen des Landes kleinere bewaffnete Konflikte und ein Klima der Gewalt herrschen, sind Anschläge in urbanen Gebieten oder auf Militäreinrichtungen eher selten. Letztmals kam es 2019 zu einem vergleichbaren Anschlag, als die Explosion einer Autobombe in einer Militärakademie in der Hauptstadt Bogotá zwanzig Personen tötete. Angesichts des Ernstes der Lage ist Präsident Iván Duque am späten Dienstagabend nach Cúcuta gereist, um sich mit der Führungsspitze der Sicherheitskräfte und den lokalen und regionalen Behörden zu treffen und die Situation persönlich in Augenschein zu nehmen, wie er auf Twitter mitteilte. 

          Der Anschlag trifft Kolumbien in einem schwierigen Moment. Das Land hat mehr als einen Monat mit großen und von Polizeigewalt und Vandalismus überschatteten Protesten hinter sich, bei denen etliche Personen umkamen. Straßenblockaden haben in einigen Regionen Verbindungswege abgeschnitten. Obwohl die Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Streikkomitee bisher wenig Früchte trugen, hatten die Protest-Organisatoren wenige Stunden vor dem Anschlag eine vorübergehende Einstellung der Demonstrationen zugesagt. Grund ist unter anderem die sich zuspitzende Corona-Situation in Kolumbien, wo die Fallzahlen in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen sind – nachweislich auch wegen der Massendemonstrationen.

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