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Anschlag auf israelische Touristen : Israel beschuldigt Hizbullah

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Trauer, Entsetzen und Schmerz: Ein verletzte Israelin nach dem Anschlag in Burgas Bild: REUTERS

Der Anschlag auf einen israelischen Touristenbus im bulgarischen Bugras wurde offenbar von einem Selbstmordattentäter verübt. Unterdessen erlag ein achtes Terroropfer seinen Verletzungen. Israel macht die Hizbullah für das Attentat verantwortlich.

          Der Anschlag auf einen israelischen Touristenbus in Bulgarien ist offenbar von einem Selbstmordattentäter verübt worden. Der mutmaßliche Täter habe einen gefälschten, angeblich im amerikanischen Bundesstaat Michigan ausgestellten Führerschein bei sich gehabt, sagte der bulgarische Innenminister Tsvetan Tsvetanov am Donnerstag. In der Stunde vor der Explosion sei der Verdächtige von Überwachungskameras im unmittelbaren Umfeld des Busses aufgenommen worden.

          Die Zahl der Toten des Anschlags auf dem Flughafen der am Schwarzen Meer gelegenen Stadt Burgas am Mittwoch stieg unterdessen auf acht, darunter sechs israelische Staatsbürger, der bulgarische Busfahrer und der mutmaßlicher Attentäter. Mehr als 30 weitere Personen wurden verletzt, davon drei lebensgefährlich. Sie wurden in einem Militärflugzeug in ein Krankenhaus in der etwa 400 Kilometer entfernten Hauptstadt Sofia gebracht. Etwa hundert Israelis, die nicht verwundet wurden, sollten nach bulgarischen Angaben mit einem Regierungsflugzeug in ihre Heimat zurückgebracht werden.

          Israelisches Rettungsteam eingeflogen

          In der Nacht zum Donnerstag flog ein Rettungsteam aus Israel nach Bulgarien. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak bezichtigte im israelischen Rundfunk Mitglieder der libanesischen Hizbullah-Miliz des Anschlags. Den Auftrag hätten sie aus Iran erhalten.

          In Israel wurden unterdessen Vorwürfe über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen des beliebten Touristenorts im Südosten Bulgariens laut. In den vergangenen Monaten habe es dort schon mehrere Anschlagversuche gegeben.

          Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnt nach dem Anschlag auf israelische Touristen vor übereilten Schuldzuweisungen. „Es ist jetzt an der Zeit, auch verantwortungsvoll zu handeln“, sagte Westerwelle am Morgen in der ARD. Deutschland verfüge über keine eigenen Erkenntnisse zu den möglichen Tätern. „Deswegen raten wir auch zur Zurückhaltung“, sagte Westerwelle zu möglichen Schuldzuweisungen.

          Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), plädierte ebenfalls für Besonnenheit. Die Hintermänner seien aus seiner Sicht noch unklar, sagte er im Deutschlandfunk.

          Der zerstörte Bus am Flughafen von Burgas

          Auch der israelische Ministerpräsident Netanjahu hatte in einer ersten Stellungnahme am Mittwochabend Iran bezichtigt.. „Alle Anzeichen deuten auf Iran und wir werden auf den iranischen Terror entschlossen reagieren“, sagte er.

          In den vergangenen Monaten hatten sich die Indizien dafür gehäuft, dass die libanesische Hizbullah-Miliz und möglicherweise auch Iran Anschläge auf Israelis im Ausland vorbereiteten. „Die Vorgehensweise in Bulgarien gibt schon jetzt ein relativ klares Bild“, sagte der israelische Terrorexperte Boaz Ganor der F.A.Z.. Die iranischen Revolutionsgarden und die Al Quds-Einheit sowie die mit Teheran verbündete libanesische Hizbullah-Miliz hätten zuletzt ihre Bemühungen verstärkt, Anschläge auf „weiche“ Ziele im Ausland zu verüben. Dabei nahmen sie kaum geschützte israelische Touristen und Diplomaten im Ausland ins Visier.

          Für das unter israelischen Touristen besonders beliebte Bulgarien hatte es zuletzt keine konkreten Reisewarnungen gegeben. Die Online-Ausgabe der bulgarischen Zeitung „Dnewnik“ berichtete aber, schon im Januar hätten israelische Geheimdienste Bulgarien vor einem Anschlag gewarnt. Damals habe Israel sowohl die bulgarischen als auch die griechischen Sicherheitskräfte gebeten, die Sicherheitsmaßnahmen an Bussen zu verstärken, die Israelis vom Flughafen zu ihren Hotels bringen.

          In Zypern war erst am Wochenende ein Libanese mit schwedischem Pass nach einem Hinweis des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad festgenommen worden. Er war aufgefallen, weil er israelische Flugzeuge und Touristenbusse fotografiert hatte. „Es könnte sein, dass es mehrere Attentatspläne gab, die parallel vorbereitet wurden. Burgas muss nicht der letzte Anschlag sein“, befürchtet Ganor, der das „Institute for Counterterrorrism“ in Herzlija leitet.

          Attentatsversuch in Delhi

          Im Februar hatten Terroristen schon einmal versucht, mehrere Angriffe gleichzeitig zu organisieren. In Delhi brachte am 13. Februar ein Motorradfahrer an einem israelischen Diplomatenfahrzeug mit einem Magneten einen Sprengsatz an. Bei der Explosion wurde die Ehefrau des Militärattachés verletzt. In Bangkok ließ nur die Ungeschicklichkeit der Täter kurz darauf einen ähnlichen Anschlag scheitern.

          Dort fand die Polizei in einer Wohnung gleich mehrere ähnliche Magneten und jede Menge Sprengstoff. Iraner hatten das Apartment gemietet und waren nach einer Explosion überstürzt geflohen. Laut thailändischen Regierungsmitgliedern planten sie, den israelischen Botschafter und weitere Diplomaten zu töten. In der georgischen Hauptstadt verursachte die Explosion an einem Diplomatenfahrzeug nur Sachschaden. Auch in wurden Aserbaidschan weitere Attentate auf Israelis vereitelt; es gab mehrere Festnahmen.

          Iran und die Hizbullah haben mit Israel noch mehrere Rechnungen offen. Das Regime in Teheran beschuldigt Israel, hinter dem Mord an mehreren iranischen Atomwissenschaftlern zu stecken, bei denen auch mit Magneten angebrachter Sprengsatz zum Einsatz kam. Die Hizbuallah wirft israelischen Geheimdienstlern vor, den Militärchef der Miliz, Imad Mughnijeh im Februar vor vier Jahren getötet zu haben, und hat Vergeltung angekündigt. Bisher war das der Miliz aber nicht gelungen.

          Am Mittwoch jährte sich zudem der Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Am 18. Juli 1994 waren dabei 85 Menschen getötet worden. Spuren führten dabei auch nach Iran und zur Hizbullah-Miliz. Die Tat ist bis heute nicht endgültig aufgeklärt.

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