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Anschläge und Entführungen : Terroristen zwischen Afghanistan und Algerien

Bild: dpa

Seit dem 11. September ist die Führungsschicht der Al Qaida zum Teil untergetaucht, zum Teil gefaßt. Das Netzwerk hat indes von Marokko bis Indonesien zugeschlagen.

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          Mit Terroristen macht man in Algerien keine Kompromisse. Die blutige Befreiungsaktion der ersten der 32 entführten europäischen Touristen durch das algerische Militär hat gezeigt, daß es von seiner harten Linie nicht abweicht - trotz der Appelle führender Politiker, das Geiseldrama gewaltlos zu beenden. Bundesaußenminister Fischer hatte am Montag noch einmal darauf gedrungen, nachdem die Entführer zuvor nach unbestätigten Berichten mehrere Lösegeldforderungen gestellt hatten. Aber nur gut 24 Stunden später schlug die algerische Armee offenbar mit aller Härte zu.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Viel mehr wurde zunächst nicht bekannt. Wie in den vergangenen Wochen war das Militär mit Informationen zurückhaltend; daß neun Geiselnehmer ums Leben gekommen waren, berichteten nur algerische Medien. In einem Punkt ließ der algerische Generalstab jedoch keine Zweifel aufkommen: Die Entführer gehörten der Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) an. Die Militärs stellten damit klar, daß die Aktion Teil des Kampfes gegen den Terror sei, in dem sich Algerien seit den Anschlägen in Amerika 2001 als treibende Kraft zu profilieren versucht. Und mit den Selbstmordattentaten in Saudi-Arabien am Dienstag hat die Terrorspur in die südalgerische Wüste am Dienstag neue Brisanz erhalten. In Riad soll es Verbindungen der Täter zum Al-Qaida-Netzwerk gegeben haben - auch die GSPC hat nach Einschätzung von Geheimdiensten Kontakte zu Usama Bin Ladin unterhalten.

          Schmuggel und Erpressung

          Bewohner der Region, in der die Touristen verschleppt wurden, lenkten dagegen den Verdacht auf Kriminelle: Sie schmuggeln in dem Grenzgebiet zu Mali, Libyen und Niger Zigaretten und Waffen und stehlen Autos. Sie führten den algerischen Sicherheitskräften auf peinliche Weise vor, daß sie den Süden des Landes nicht völlig unter Kontrolle haben - obwohl er als viel sicherer gilt als die Küstenregion. Wegen der andauernden islamistischen Gewalt im Norden waren auch die entführten Sahara-Touristen zum größten Teil auf dem Landweg über die tunesische Wüste eingereist.

          Beide Theorien müssen sich jedoch nicht ausschließen. Mit Schmuggel und Erpressung finanzieren militante Islamisten ihre Terroraktivitäten. Das gilt besonders für den lokalen GSPC-Führer Mokhtar Benmokhtar. Er ist schon länger mit einer kleineren bewaffneten Gruppe in dem Gebiet an der Südgrenze Algeriens aktiv. Wegen seiner Verwicklung ins Schmuggelgeschäft wird er in Algerien auch der "Marlboro-Pate" genannt. Im Süden haben sich Benmokhtar und seine Leute aber bisher nicht durch Mordanschläge hervorgetan, so wie GSPC-Todesschwadrone im bergigen Küstengebiet. Von der Zivilbevölkerung erpreßten sie allenfalls Schutzgelder; Ausländer zählten nicht zu ihren Zielen. Ihre Anschläge richteten sich bisher fast ausschließlich gegen Vertreter der Staatsgewalt: Vor allem im Nordosten griffen kleine, sehr bewegliche GSPC-Einheiten immer wieder Soldaten, Polizisten und Mitglieder von Bürgerwehren an. Das algerische Innenministerium schätzt die Zahl der GSPC-Aktivisten auf gut 300.

          Kontakte zu Bin Ladin

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