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Anschläge in Sri Lanka : „Ohne internationales Netzwerk wären die Angriffe nicht gelungen“

  • Aktualisiert am

Sri Lanka hat mit drei Schweigeminuten den Opfern der Anschläge auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag gedacht. Bild: Reuters

Während deutsche Politiker zu mehr religiöser Toleranz aufrufen, geht die Suche nach Motiven und Hintermännern in Sri Lanka weiter. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf 310 gestiegen.

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          Nach den Selbstmordanschlägen in Sri Lanka mit mehr als 300 Toten beklagen Politiker von CDU, FDP und Grünen die gewachsene Bedrohung christlicher Minderheiten in vielen Staaten. „Der Terror in Sri Lanka reiht sich ein in verschiedene Anschläge gegen Christen weltweit“, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), der „Welt“ . Der frühere Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte der „Bild“: „Ich sehe mit großer Besorgnis die wachsende Christenverfolgung im gesamten asiatischen Raum. Nationalistische Bewegungen von Buddhisten, Hindus und Muslimen werden hier immer militanter.“ Der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold sagte der „Welt“, die Religionsfreiheit von Christen sei in vielen Teilen der Welt bedroht. „Europa muss sich nachdrücklich auf der Welt für das Recht auf Religionsfreiheit einsetzen.“

          In der Nacht zum Dienstag sind in Sri Lanka Notstandsbestimmungen in Kraft getreten. Staatspräsident Maithripala Sirisena verhängte sie, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu bewahren sowie die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen für die Bürger sicherzustellen, hieß es in einer Erklärung des Präsidenten. Mit den Regelungen erhalten Sicherheitsbehörden erweiterte Befugnisse, etwa für Durchsuchungen und zur Festnahme. Sirisena berief zudem ein dreiköpfiges Untersuchungsteam ein, auch Interpol will Experten entsenden.  

          Durch die Explosionen an acht Orten am Ostersonntag starben mindestens 310 Menschen, es gab mehr als 500 Verletzte. Unter den mehr als 30 getöteten Ausländern ist auch ein Deutsch-Amerikaner, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Weitere deutsche Opfer gebe es nach derzeitigen Erkenntnissen nicht, sagte eine Sprecherin am Montag weiter. 14 Ausländer werden nach Angaben des Außenministeriums Sri Lankas noch vermisst.

          Staatstrauer und Schweigeminuten

          Mit drei Schweigeminuten haben die Menschen in Sri Lanka der Opfer der Anschläge vom Ostersonntag gedacht. Die Schweigeminuten begannen am Dienstag um 8.30 Uhr (Ortszeit) – dem Zeitpunkt, zu dem am Sonntag die erste Bombe detoniert war. Die Flaggen wurden auf Halbmast gesetzt. Für den gesamten Dienstag gilt eine Staatstrauer.

          Die Anschläge gingen nach Einschätzung der Regierung auf das Konto einer einheimischen radikal-islamischen Gruppe. Die Regierung ist jedoch überzeugt, dass die verdächtigte Gruppe National Thowheeth Jamaath die Attacken nur mit Unterstützung eines internationalen Netzwerks verübt haben kann, wie ein Sprecher sagte.

          Das von Sirisena einberufene dreiköpfige Team soll die Anschlagsserie untersuchen und in zwei Wochen einen ersten Bericht vorlegen. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte die Entsendung von Spezialisten mit Expertise in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung an. Einem Bericht der „Washington Post“ zufolge entsandte auch die amerikanische Bundespolizei FBI Ermittler nach Sri Lanka und bot offiziell Unterstützung an, etwa bei Laboruntersuchung von Sprengstoffresten. Die Zeitung beruft sich auf Ermittlerkreise.

          „Ohne internationales Netzwerk wären Angriffe nicht gelungen“

          Nach den Worten von Kabinettssprecher Rajitha Senaratne gab es vor den Attacken Hinweise auf Anschlagspläne. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert. „Wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid“, sagte Senaratne im Namen der Regierung. „Wir glauben nicht, dass diese Angriffe von einer Gruppe von Menschen verübt wurden, die auf dieses Land begrenzt waren“, sagte er. „Es gab ein internationales Netzwerk, ohne dass diese Angriffe nicht gelungen wären.“

          Nach Polizeiangaben wurden 40 Verdächtige festgenommen und verhört. Die meisten Opfer hatte es bei den Anschlägen in den Kirchen gegeben, als gerade Ostergottesdienste stattfanden. In dem Inselstaat sind etwa sieben Prozent der 20 Millionen Einwohner Christen.

          Vor diesem Hintergrund sagte der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer sagte: „Mehr als 100 Millionen Christen leben in Ländern, in denen ihr Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht geachtet wird.“ Damit seien Christen in vielen Regionen die größte verfolgte Gemeinschaft, sei es in China, Nordkorea, Pakistan oder Teilen Nigerias. In Sri Lanka hätten die Terroristen ein Land erschüttern wollen, in dem vier große Weltreligionen bislang – trotz aller politischen Konflikte – friedlich miteinander lebten. Es müsse vermieden werden, dass es zu einem „Clash of Civilisations“ (Kampf der Kulturen) komme.

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