https://www.faz.net/-gpf-119d9

Anschläge in Indien : Rice nimmt Pakistan in die Pflicht

  • Aktualisiert am

Pendeldiplomatie: Rice beim Verlassen Pakistans am Donnerstag Bild: AP

Diplomatisch im Ton, hart in der Sache: „Ich hoffe, sie werden ihre Kommunikationslinien offen halten“, forderte die amerikanische Außenministerin Rice bei ihrem Besuch in Islamabad von den pakistanischen Behörden. In Indien gab es eine Woche nach den Anschlägen neue Terrorwarnungen.

          Im Falle einer pakistanischen Beteiligung an dem Terrordrama von Bombay hat der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari die Verfolgung der Hintermänner zugesagt. Nach einem Treffen mit der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice am Donnerstag in Islamabad sagte Zardari: „Die Regierung wird die Ermittlungen nicht nur unterstützen, sondern gegen jedwede an den Angriffen beteiligten pakistanischen Elemente vorgehen.“

          Pakistan sei fest entschlossen sicherzustellen, „dass sein Territorium nicht für Terrorangriffe genutzt wird“.

          Pakistan weist Vorwürfe zurück

          Indien macht Hintermänner aus Pakistan für die Terrorangriffe in Bombay mit mehr als 180 Toten verantwortlich. In Delhi hatte Außenminister Pranab Mukherjee Rice gesagt, dass „es keinen Zweifel darüber gebe, dass die terroristischen Angriffe in Mumbai von Personen ausgeführt wurden, die aus Pakistan kamen und die von Pakistan aus gesteuert wurden“.

          Sagt Unterstützung zu: Pakistans Präsident Asif Ali Zardari

          Die pakistanische Regierung hat die Vorwürfe zurückgewiesen und kritisiert, dass Indien Geheimdienstinformationen zu dem Terrorüberfall vorenthalte.

          Rice sagte in Islamabad erneut die Unterstützung der Vereinigten Staaten bei den Ermittlungen zu den Anschlägen in der westindischen Finanzmetropole und bei der Verhinderung weiterer Gewalt zu. Vorrangig müsse es nun sein, die Angriffe aufzuklären, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und weitere Anschläge zu vereiteln, erklärte Rice, die gut eine Woche nach der Terrorserie in Bombay von Delhi zu einem Kurzbesuch nach Islamabad weitergereist war.

          Islamabad in der Pflicht

          Das dreitägige Terrordrama von Bombay sei in dieser Art bislang einmalig auf dem Subkontinent, sagte Rice. Angesichts der wachsenden Spannungen zwischen Indien und Pakistan erklärte sie: „Ich hoffe, sie werden ihre Kommunikationslinien offen halten.“

          Bei ihrem Besuch in Neu Delhi hatte die amerikanische Außenministerin am Mittwoch betont, Pakistan komme bei der Verfolgung der Urheber der Angriffe von Bombay eine besondere Verantwortung zu. „Pakistan spielt eine entscheidende Rolle dabei sicherzustellen, dass diese Terroristen nicht weiter operieren können.“

          Wegen der Angriffe von Bombay hatte sich die Krise zwischen den Atommächten Indien und Pakistan zugespitzt. Die Regierung in Delhi hatte zuletzt den Ton gegenüber Islamabad deutlich verschärft.

          Terrorwarnungen in Indien

          Nach Terrorwarnungen wurden die internationalen Flughäfen in den indischen Metropolen Delhi, Madras und Bangalore in Alarmbereitschaft versetzt. Zur Art der Warnungen machte eine Sprecherin des Ministeriums für zivile Luftfahrt in Neu Delhi keine Angaben. Der Sender NDTV meldete, die indische Luftfahrtbehörde habe die drei Flughäfen gewarnt, Terroristen könnten versuchen, am kommenden Samstag Flugzeuge zu entführen. Die Ministeriumssprecherin bestätigte das nicht.

          Am Samstag ist der Jahrestag der Zerstörung der Babri-Moschee in der nordindischen Stadt Ayodhya. Fanatische Hindus hatten die Moschee am 6. Dezember 1992 dem Erdboden gleichgemacht. Bei anschließenden landesweiten Zusammenstößen zwischen Hindus und Muslimen waren mehr als 1000 Menschen getötet worden.

          Die Nachrichtenagentur PTI meldete, der Chef der indischen Luftwaffe habe bestätigt, dass bei einem Treffen der Befehlshaber der Teilstreitkräfte mit Verteidigungsminister A. K. Anthony die Möglichkeit eines Terrorangriffs aus der Luft diskutiert worden sei. Die mutmaßlich islamistischen Angreifer bei der Terrorserie in Bombay sollen über den Seeweg gekommen sollen. Delhi verdächtigt die islamistische Terrororganisation Lashkar-e-Toiba, die nach indischer Überzeugung aus Pakistan heraus operiert.

          Weiterer Rücktritt wegen Anschlagserie

          Acht Tage nach den Angriffen von Bombay trat der Ministerpräsident des westindischen Bundesstaats Maharashtra zurück. „Ich übernehme die moralische Verantwortung für die Terrorangriffe“, sagte Vilasrao Deshmukh nach Angaben von PTI. Bombay ist Maharashtras Hauptstadt.

          Vor Deshmukh hatten bereits die Innenminister Indiens und Maharastras, Shivraj Patil und R. R. Patil, ihre Ämter niedergelegt. Deshmukh gehört der Kongress-Partei an, die auch die Zentralregierung in Neu Delhi anführt. Die hindu-nationalistische Opposition wirft der Zentralregierung vor, die innere Sicherheit vernachlässigt zu haben. Im Frühjahr stehen in Indien Parlamentswahlen an.

          Weitere Themen

          G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete Video-Seite öffnen

          Noch keine konkreten Maßnahmen : G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete

          Ungeachtet anhaltender Spannungen in wichtigen politischen Fragen haben sich die G7-Staaten bei ihrem Gipfel in Biarritz auf einen gemeinsamen Gegner einigen können: die Feuer im Amazonasgebiet. Die sieben westlichen Industriestaaten seien überein gekommen, den betroffenen Staaten „so schnell wie möglich“ Unterstützung zukommen zu lassen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

          Wer reden will, soll ruhig reden

          G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

          In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.

          Topmeldungen

          Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

          G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

          In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.
          Der Faktor Wohnen wird von den meisten Menschen in der Klimadebatte übersehen. Dabei produzieren vor allem Warmwasser und Heizungen große Kohlendioxid-Emissionen.

          Wohnen und Heizen : Das ist Deutschlands Klimakiller Nr. 1

          Kaum jemand will wahrhaben, dass wir mit unseren Wohnungen dem Klima mehr schaden als mit Steaks und Flugreisen. Einige Länder reagieren darauf – während sich die Politik in Deutschland nicht einigen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.